Sonntag, 22. Oktober 2017

Schillernder Investor unter Druck Londoner Gericht beschlagnahmt Privatjet von Lars Windhorst

Streit mit Investoren: Lars Windhorst ist wegen seiner Geschäftsmethoden nicht unumstritten
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Streit mit Investoren: Lars Windhorst ist wegen seiner Geschäftsmethoden nicht unumstritten

Er ist ohne Zweifel eine der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft und ein echtes Stehaufmännchen: Der Investor und umtriebige Networker Lars Windhorst. Der Mann, der bereits mit 16 seine erste Firma gründete, musste in London nun allerdings einen erneuten Rückschlag hinnehmen: Wie die "Financial Times" berichtet, hat ein Londoner Gericht Windhorsts Privatjet sowie weitere Vermögensgegenstände beschlagnahmen lassen.

Die Beschlagnahmung sei infolge einer 66-Millionen-Euro-Klage erfolgt, die die in Belize ansässige Romanello Financial Corp. vor dem High Court in London gegen Windhorst eingereicht habe, berichtet die Zeitung. Einem Romanello-Anwalt zufolge wurden neben Windhorsts Flugzeug auch Kunstwerke sowie Wein aus dessen Besitz sichergestellt.

Windhorst selbst bestreite allerdings, dass es zu dem staatlichen Zugriff gekommen sei, so die "FT". Beide Seiten befänden sich in Gesprächen, um den Streit beizulegen, so seine Darstellung.

Hintergrund: Der heute 40-jährige Windhorst galt schon in den 1990ern als hoffnungsvoller Jungunternehmer und begleitete als Mitglied von Wirtschaftsdelegationen seinerzeit bereits Bundeskanzler Helmut Kohl auf Auslandsreisen. Windhorsts unternehmerische Karriere verlief dann jedoch nicht ganz reibungslos: Zweimal, nämlich 2003 und 2009, legte er Pleiten samt Privatinsolvenz hin.


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Danach schaffte er jedes Mal den Turnaround, und zwar spektakulär. Windhorsts Markenzeichen waren dabei meist eine enorme Risikobereitschaft sowie seine mitunter unkonventionellen Methoden zur Mobilisierung frischer Investorengelder, eine bemerkenswerte rhetorische Akrobatik inklusive.

In London, wo Windhorst 2009 einen Neustart unternahm, gab es seit März 2016 laut "FT" bereits insgesamt sechs Zivilklagen mit einem Gesamtvolumen von beinahe 220 Millionen Euro gegen den Unternehmer sowie dessen Beteiligungs-Gruppe Sapinda. Einige davon seien inzwischen beigelegt, heißt es.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Im Streit mit Romanello geht es der "FT" zufolge vor allem um Sapinda-Anleihen im Volumen von 75 Millionen Euro. Romanello habe diese Papiere von einer dritten Partei erworben, und Sapinda habe nach Angaben des Klägers zugesagt, sie zurückzukaufen. Tatsächlich habe Sapinda Romanello jedoch lediglich Papiere im Wert von 15 Millionen Euro abgenommen - um den Rest streiten beide Parteien nun offenbar vor Gericht.

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