Samstag, 23. Juli 2016

Gericht bejaht Auslieferung Kim Dotcom drohen in den USA 20 Jahre Haft

Geschichte einer Karriere: Aufstieg und Fall des Kim Dotcom
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AFP

Ein Richter im neuseeländischen Auckland hat die Auslieferung des umstrittenen Internetunternehmers Kim Dotcom an die USA genehmigt. Nach einer neunwöchigen Anhörung sei die Beweislage "überwältigend", die Auslieferung solle daher erfolgen, hieß es am Mittwoch. Neben Dotcom sind demnach auch drei weitere Angeklagte betroffen.

Der 41-jährige Dotcom hatte die einstige Tauschplattform Megaupload gegründet. Bereits vor vier Jahren hatte die neuseeländische Polizei eine Razzia in seiner Villa in Auckland auf Geheiß der US-Bundespolizei FBI durchgeführt und Megaupload stillgelegt. Die 2012 geschlossene Börse soll mit 150 Millionen Nutzern einer der weltgrößten Umschlagplätze für Raubkopien aus der Film- und Musikbranche gewesen sein und einen Schaden von mindestens 500 Millionen Dollar verursacht haben.

Dotcom will Entscheidung des Richters anfechten

Kim Dotcom drohen in Amerika wegen Urheberrechtsverletzungen, Betrugs und Geldwäsche bis zu 20 Jahre Haft. Ein Gericht hatte die Durchsuchungsbefehle zunächst für illegal erklärt, doch ein Berufungsgericht hob das Urteil wieder auf. Dagegen klagte Dotcom vor dem höchsten Gericht. Durch den Rechtsstreit wurde das Auslieferungsverfahren immer wieder verschoben.

Dotcom kündigte über seinen Anwalt an, die Entscheidung des Richters anzufechten. Letztlich muss Justizministerin Amy Adams befinden, ob er tatsächlich ausgeliefert wird. Sie werde die Entscheidung des Gerichts prüfen und sich von ihrem Ministerium beraten lassen, sagte Adams am Mittwoch. "Da die Gerichtsentscheidung angefochten werden kann, wäre es unangemessen, sich zu diesem Zeitpunkt weiter zu äußern", fügte sie hinzu.

Vor Gericht war es nicht darum gegangen, ob die Angeklagten schuldig sind oder nicht. Es musste vielmehr entschieden werden, ob die Anschuldigungen stichhaltig genug für eine Auslieferung sind.

Dotcom hat die deutsche und die finnische Staatsbürgerschaft. In den Neunzigerjahren ließ er sich als genialer Hacker feiern, später sorgte er mit Internetfirmen für Aufsehen, die zunächst massiv an Wert gewannen, von denen einige später aber pleitegingen. Durch sein prahlerisches Auftreten wurde der Zwei-Meter-Mann zur Reizfigur.

rei/aar/Reuters/AFP/dpa

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