Dienstag, 16. März 2010, 00:45 Uhr
minus plus
12.03.2008

Datenmüll

Karrierekiller Internet

2. Teil: Hilfe vom Rufrettungsdienst

Hilfe vom Rufrettungsdienst

Dieses Datenpuzzle nutzen Personaler, um sich ein Bild von dem Kandidaten zu machen. Und wenn dessen Mitgliedschaft in einem FKK-Fan-Forum mitsamt dem fotografischen Beweismaterial aktenkundig wird, können eben auch hochglanzpolierte Designerschuhe und ein einwand- und knitterfrei geplätteter Maßanzug nichts mehr ausrichten.

Suchen, finden, löschen: Rufrettungsdienste polieren das Image im Web auf

Suchen, finden, löschen: Rufrettungsdienste polieren das Image im Web auf

© [M]DPA;mm.de
Aber auch aus dem neuen Bedürfnis nach einer makellosen Internet-Reputation wurde längst eine Branche zu dessen Befriedigung geboren. Mittlerweile existiert eine große Zahl von Anbietern, die ihren Kunden verspricht, durch gezieltes Imagemanagement jeden noch so ruinierten Web-Ruf zu retten.

Zum einen gibt es kostenlose Services wie Claim-ID, Naymz, Spock oder die deutsche Version, Myon-ID. Bei diesen Portalen erstellt man ein Profil, in dem man Seiten, die den eigenen Namen enthalten, sortieren und kommentieren kann. Gewünschte Inhalte optimiert der Dienst, so dass sie von Suchmaschinen wie Google zuoberst angezeigt werden. Das Online-Fotoalbum vom Mitgliedertreffen des FKK-Vereins ist dann zwar noch vorhanden, rutscht jedoch auf eine der hinteren Seiten der Ergebnisliste.

Die aggressivere Form der Imagepflege nennt sich "reputation defender", ein Dienst, der seit Januar auch in Deutschland auf dem Markt ist. Peinliche Fotos, üble Nachrede in sozialen Netzwerken und unüberlegte Einlassungen in Foren verspricht das Unternehmen mittels eines freundlichen Anrufs oder notfalls eines Gerichtsverfahrens zu löschen. Der Rufrettungsdienst kostet einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von rund sechs Euro, jeder Löschvorgang schlägt mit weiteren 20 Euro zu Buche. Ein Zusatzangebot richtet sich an vorsichtige Eltern: MyChild hält die Eltern für ebenfalls sechs Euro in monatlichen Reports darüber auf dem Laufenden, auf welchen Seiten sich das Kind herumtreibt.

Grundsätzlich gilt: Wer missliebiges Material über sich oder Familienangehörige im Netz entdeckt, das um die berufliche Zukunft bangen lässt, kann sich auch ganz unbürokratisch an den Anbieter der jeweiligen Seite wenden und um Entfernung bitten - und sich die Entsorgungsgebühr von 20 Euro sparen.

Ariane Breyer, ddp

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