Von Marleen Gründel
Berater Michael Löhner will das Zusammenspiel von Führungskräften und Mitarbeitern verbessern. Der Jesuitenschüler und geistige Sohn von Ethikprofessor Rupert Lay sagt im Gespräch mit manager-magazin.de, warum ihm viele Führungskräfte zu weich sind und er "weise Tyrannen" als Chefs bevorzugt.
mm.de: Herr Löhner, Sie nennen sich "Unternehmenskulturberater". Was ist darunter zu verstehen?
Schlaffe Führungskräfte: "Mitarbeiter wollen einen gerechten, weisen Vater"
Häufig nisten sich bei den Beschäftigten Trägheitselemente wie Vorurteile bestimmten Abteilungen - auch dem Topmanagement - gegenüber ein. Diese Einstellungen sind oft nicht mehr zeitgemäß und können sich verheerend auf den Unternehmenserfolg auswirken.
mm.de: Was für Vorurteile sind das?
Löhner: Viele Mitarbeiter haben zum Beispiel eine Vorstellung von einer Führungsperson, die nicht der Realität entspricht: Sie wollen einen gerechten, weisen Vater, dem sie vertrauen können - aber den finden sie heute kaum noch. So erleben sie schlimmstenfalls Funktionäre, mit denen sie sich nicht identifizieren können.
Wenn die Sehnsucht der Mitarbeiter aber nicht erfüllt werden kann, entstehen bei den Beschäftigten Irritationen, Identitätskrisen oder Ängste. Und dann fängt die alte Gewohnheit an, die neue Unternehmensstrategie zu stören, die von den Mitarbeitern eigentlich Mut, Eroberungswillen, Selbstbewusstsein und Souveränität verlangt.
Löhner: Leider sind es häufig die Führungskräfte, die zunächst ungewohnt gefordert werden. Das, was die Mitarbeiter von ihren Vorgesetzten an Orientierung erwarten, wird häufig nicht erfüllt, weil diese selbst nicht ausreichend Identifikation mit der neuen Situation weitergeben können. Wir haben viel zu wenig gute Führungskräfte in der Wirtschaft. Mein Hauptanliegen ist es, dieses Manko zu bekämpfen.
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