Mittwoch, 24. Januar 2018

Die besten Aufsichtsrätinnen Die Suche nach der Quotenfrau

Deutschlands Topkontolleurinnen: Wichtige Multiaufsichtsrätinnen und ihre Mandate
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Trumpf

Was Männer können - das können Frauen schon lange. Diese urfeministischen Weisheit gilt nun auch für Aufsichtsräte: Dank des Quoten-Gesetzes müssen in Deutschland nun auch Frauen an die Macht gelassen werden.

Und langsam steigt die Nervosität. Insgesamt sollen rund 170 Aufsichtsratspositionen weiblich besetzt werden - und der Kampf um die besten Frauen beginnt. Denn vor allem Firmen, die bislang Frauenförderung für ein lästiges Übel hielten und sich auf testosterongesteuerte Führung und ein rein männliches Netzwerk verlassen haben, sehen jetzt alt aus.

Für die Unternehmen steht viel auf dem Spiel: Börsennotierte und voll mitstimmungspflichtige Konzerne (insgesamt 108 Firmen) müssen ab 2016 eine 30 prozentige Frauenquote einhalten bei allen Neubesetzungen im Aufsichtsrat. Sprich: Wer bislang keine Frau im Aufsichtsrat hat - und das ist auf Eignerseiter immerhin jedes dritte der betroffenen Unternehmen - muss beim nächsten Wechsel eine Frau einsetzen. So lange, bis 30 Prozent der Aufsichtsräte weiblich sind. Gelingt es nicht, eine Frau für den Job zu begeistern, bleibt der Stuhl leer.

"Frauen nehmen ihre Mandate ernst - Männer sagen immer sofort zu"

Und so sehen sich viele vor der Herausforderung, nun erstmals auf Augenhöhe um das anderen Geschlecht buhlen zu müssen - und kassieren oft eine Absage nach der anderen. "In den vergangenen Jahren hatte ich sicher ein Dutzend Anfragen", so Ines Kolmsee, bis März 2014 Vorstandsvorsitzende der SKW Stahl-Metallurgie Holding, gegenüber dem aktuellen manager magazin. "Die meisten musste ich absagen, weil ich das zeitlich nicht geschafft hätte." Die Managerin ist Aufsichtsrätin bei der belgischen Umicore und der französischen Suez Environment. Ihr Mandat bei der Telekom gab sie inzwischen auf, da sie im Mai als Vorstand beim Energieversorger EWE beginnt.

"Frauen nehmen ihre Mandate ernst und überlegen genau, welcher Aufwand nötig ist, um einen ordentlichen Job zu machen", sagt Sabine Hansen, Geschäftsführerin von Delta Management Consultants, "Männer sagen eigentlich immer sofort zu, da geht es viel um Prestige".

Die derzeitig bekanntesten Aufsichtsrätinnen sind bereits voll ausgelastet: Nicola Leibinger-Kammüller beispielsweise kontrolliert neben ihrem Job als Chefin beim Maschinenbauer Trumpf die Firmen Axel Springer, Lufthansa, Siemens und Voith. Auch TU-München Professorin Ann-Kristin Achleitner sitzt in vier Aufsichtsräten - bei Metro und Linde, der Münchner Rück und GDF Suez. Renate Köcher von Allensbach verbringt ihre Zeit in den Gremien der Allianz, von BMW, Infineon, Bosch und Nestlé Deutschland (siehe auch Bildergalerie oben).

Die entscheidende Kunst wird sein, neue potentielle Aufsichtsrätinnen zu identifizieren, den Blick zu weiten über die eigene Branche hinaus, auf Managerinnen aus dem Ausland, Politik oder Wissenschaft, Beraterinnen, Anwältinnen, Unternehmerinnen. Personalexpertin Hansen: "In ihrem ureigensten Interesse sollten Unternehmen Aufsichtsräte internationaler, jünger und inhaltlich breiter aufstellen."

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