Donnerstag, 28. Juli 2016

Johannes Teyssens 30-Kilo-Diät Die persönliche Kernspaltung des Eon-Chefs

Vorher, nachher: Johannes Teyssen als Herr des Kohle-Riesen im März 2012 (l.) - und im Mai 2015 auf dem Weg zum Ökostromverkäufer
AFP, imago/Sven Simon
Vorher, nachher: Johannes Teyssen als Herr des Kohle-Riesen im März 2012 (l.) - und im Mai 2015 auf dem Weg zum Ökostromverkäufer

"Nun ist es genug mit diesem Personality-Kram." So ganz verfängt der Einwand Johannes Teyssens im Interview mit der "Zeit" nicht. Das Gespräch mit dem Eon-Chef dreht sich zwar um die gerade vollzogene Kernspaltung von Deutschlands größtem Stromkonzern und die politische Diskussion um die Energiewende, es liefert aber ein außergewöhnliches Maß persönlicher Nähe zu einem Konzernlenker.

Der Einstieg liest sich fast wie in einem Frauenmagazin. Teyssen äußert sich öffentlich zu der Diät, mit deren Hilfe er seit Februar 2015 mehr als 30 Kilogramm abgenommen habe. Sie heiße "Metabolic Balance", beruhe auf wenig Kohlenhydraten, viel Wasser und viel Sport. "Da habe ich bei jedem Termin mein Essen in Tupperdöschen mitgebracht", bekennt der CEO.

Jetzt jogge er viermal pro Woche, "neulich bin ich sogar mit meiner Familie in einem Baum herumgeklettert". Das grüne Bild passt gut zur neuen Rolle des Nicht-mal-mehr-zwei-Zentner-Manns. Seit Anfang Januar führt Teyssen die im Wesentlichen auf Ökostrom, Netzmanagement und Vertrieb verschlankte Eon. Das alte Kerngeschäft mit dicken Kohlekraftwerken hat er unter dem Namen Uniper seinem Vorstandskollegen Klaus Schäfer überlassen.

"Wenn sich Eon spaltet, muss ich mich selbst auch mitspalten"

Teyssen selbst erklärt zwar, "meine Diät hat nichts mit der Firma zu tun", stellt aber dennoch scherzhaft den Zusammenhang her: "Wenn sich Eon spaltet, muss ich mich selbst auch mitspalten."

Auch mit Blick auf das neue Geschäftsmodell offenbart Teyssen persönliche Aspekte. Wer ihm vor zehn Jahren gesagt hätte, dass er einmal Ökostrommanager würde, den "hätte ich für verrückt erklärt".

Dem Versuch, sich als geläutert zu profilieren, widersteht der Manager, der jahrelang die alte Stromordnung verteidigte. Die neue Rolle zu finden sei für die ganze Belegschaft "ein emotionales Auf und Ab". Auch die Wende in der Wende - die Atomkraftwerke bleiben bei Eon statt Uniper - "haben wir uns nicht sonderlich gewünscht", gibt Teyssen unumwunden zu.

Ein besonders privates Bekenntnis hat der "Zeit"-Ableger "Zett" dem 56-Jährigen im Video-Interview entlockt: Die eigene Firma hätte dem Chef fast den Strom abgestellt. "Einmal hat Eon gedroht, mich zu sperren. Da bin ich umgezogen und irgendwie hat das mit der Abbuchung nicht geklappt." Diese Erfahrung dürfte sich noch für den neuen Fokus auf Kundennähe nutzen lassen.


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