Samstag, 19. August 2017

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Schäuble-Verbündeter Jeroen Dijsselbloem vor dem Aus "Schnaps und Frauen" - Für Mr. Euro wird es eng

Jeroen Dijsselbloem

Wolfgang Schäuble muss um seinen wichtigsten Verbündeten in Europa fürchten. Der niederländische Finanzministerkollege Jeroen Dijsselbloem, seit 2013 Präsident der Euro-Gruppe - kurz "Mr. Euro" - und in dieser Funktion stets verlässlich an Schäubles Seite, kämpft um sein Amt.

Mit Italiens Ex-Premier Matteo Renzi hat ein prominenter Europapolitiker - und dann noch ein sozialdemokratischer Parteifreund - Dijsselbloems Rücktritt gefordert. Portugals Ministerpräsident António Costa schloss sich an. Der Niederländer habe "eine hervorragende Gelegenheit zum Schweigen verpasst", schimpft Renzi in einem Facebook-Post von Mittwoch. Dijsselbloem verdiene seine Rolle nicht. Wenn er Italien beleidigen wolle, solle er das zu Hause in der Bar tun und nicht im Namen einer europäischen Institution.

Der Anlass: ein Interview, das der Euro-Gruppen-Chef am Montag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gab und auch auf das Verhältnis der "nördlichen Euro-Staaten mit den Krisenländern" einging. "Als Sozialdemokrat halte ich Solidarität für äußerst wichtig." Wie Dijsselbloem-Kenner wissen, konnte dieser Satz nur der Auftakt zu einem großen Aber sein. Und das hatte es in sich.

"Aber wer sie einfordert, hat auch Pflichten", sagte Dijsselbloem. "Ich kann nicht mein ganzes Geld für Schnaps und Frauen ausgeben und anschließend Sie um Ihre Unterstützung bitten."

Die Analogie mit "Schnaps und Frauen" war das Money Quote. Die Südeuropäer versaufen unser Geld, lautete die Botschaft des Mannes, der auch schon mal offen bekannte, dass er seinen zeitweiligen griechischen Kollegen Yanis Varoufakis "beseitigen" wollte.

Im EU-Parlament fragte ihn ein spanischer Konservativer am Dienstag, ob er sich entschuldigen wolle. Die Antwort: "Nein, sicherlich nicht."

In Italien, das trotz seiner eigenen schweren Krise immer nur in die Rettungsfonds einzahlte und wo der Euro am unpopulärsten ist, kommt die pauschale Südeuropa-Kritik besonders schlecht an. Zudem moniert Renzi, mit "Technokraten" wie Dijsselbloem entferne sich Europa von der demokratischen Idee. Die wichtigsten Ämter sollten direkt von allen Europäern gewählt werden, um teilweise billionenschwere Entscheidungen zu legitimieren. Gerade jetzt, da die mühsam zugedeckte Griechenland-Krise wieder aufkommt.

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