Samstag, 23. September 2017

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Macht vs Milliarden Trump gegen Bezos - wenn sich Alphamännchen zoffen

Treffen in Washington: US-Präsident Trump (l.) empfing kürzlich die Chefs großer IT-Konzerne im Weißen Haus, darunter auch Microsoft-CEO Satya Nadella (M.) und Amazon-Gründer Bezos
Getty Images
Treffen in Washington: US-Präsident Trump (l.) empfing kürzlich die Chefs großer IT-Konzerne im Weißen Haus, darunter auch Microsoft-CEO Satya Nadella (M.) und Amazon-Gründer Bezos

Er gilt als der mächtigste Mann der Welt und pflegt beharrlich und mit großem Eifer seine Fehde gegen den vermutlich in Kürze reichsten Mann der Welt: Schon während seines Wahlkampfes nahm Donald Trump immer wieder Jeff Bezos, den Gründer und Chef der weltgrößten Online-Handelsplattform Amazon Börsen-Chart zeigen, ins Visier. Jetzt hat der US-Präsident erneut nachgelegt: Auf Twitter veröffentlichte er eine Mitteilung, die in den USA für einigen Wirbel gesorgt hat:


"Die Amazon-Washington Post, auch bekannt als der Guardian von Amazon, das keine Internet-Steuer zahlt (was es sollte), ist FAKE NEWS", schreibt Trump.

Beobachter werten den Tweet als Retourkutsche für die jüngste Enthüllung der "Washington Post", deren Eigentümer Amazon-Gründer Bezos ist: Das Blatt hatte Anfang dieser Woche berichtet, dass Donald Trump in mindestens vier seiner Golf-Clubs ein Cover des renommierten "Time"-Magazins an den Wänden hängen hat. Auf dem Cover ist Trumps Konterfei zu sehen, dazu die Zeile "Donald Trump: The Apprentice ist ein TV-Hit". "The Apprentice", übersetzt "Der Lehrling", ist eine Fernseh-Realityshow, die von NBC ausgestrahlt wird und die Trump bis 2015 moderiert hatte.

Das Problem: Dieses Cover, das auf den 1. März 2009 datiert ist, ist gefälscht. Wie die "Post" berichtet, hat es ein "Time"-Magazin mit der Abbildung und der entsprechenden Zeile nie gegeben. Das wurde von dem Magazin bereits bestätigt.

Eine mindestens peinliche Enthüllung für den US-Präsidenten also. Und in gewohnter Manier reagiert er darauf mit einem Gegenangriff per Twitter, in dem Trump versucht, die Aufmerksamkeit von sich weg auf den Handelsriesen Amazon zu lenken.

Hintergrund: Amazon-Gründer Jeff Bezos ist Eigentümer der "Washington Post", die er 2013 für 250 Millionen Dollar übernahm. Ein überschaubares Investment für den Multimilliardär, den die jüngsten Kursgewinne der Amazon-Aktie noch einmal reicher gemacht haben. Laut US-Magazin "Forbes" belegt er im "Realtime-Ranking" der Milliardäre weltweit mit einem Vermögen von 84,3 Milliarden Dollar inzwischen Platz 2, dicht hinter Microsoft-Gründer Bill Gates (89,1 Milliarden Dollar). Und der Abstand schrumpft zusehends.

Für Aufsehen sorgte Trumps Tweet allerdings nicht nur, weil es die Öffentlichkeit stets gut unterhält, wenn sich zwei so prominente Männer coram publico zoffen. Vielmehr gibt es an dem Zweizeiler des US-Präsidenten gleich mehrere Dinge auszusetzen, sodass es kaum übertrieben scheint, Trumps Twitter-Botschaft ihrerseits als "Fake News", also als Falschmeldung, zu bezeichnen.

Die wichtgsten Mängel der Kurznachricht hat ein Journalist des US-Senders NBC ebenfalls per Twitter auf den Punkt gebracht:

Zum Beispiel die Zuordnung der "Washington Post" zum Amazon-Konzern. Tatsache ist, dass Amazon-Gründer Bezos persönlich Besitzer der "Post" ist, nicht sein Unternehmen.

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