Sonntag, 24. September 2017

JP-Morgan-Chef Jamie Dimon Fürstlich entlohnt - und trotzdem unzufrieden

Deutsche-Bank-Chef auf Platz 18: Das Gehaltsranking internationaler Bankchefs
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AP

Wenn sich eine Gelegenheit ergibt, auf die US-Regierung und den Zustand der US-Wirtschaft zu schimpfen, dann zögert Jamie Dimon, Chef der US-Großbank JP Morgan Chase, in der Regel nicht, sie beim Schopfe zu packen. Das ist umso erstaunlicher, weil immer deutlicher wird, dass JP Morgan sowie Dimon persönlich zu den größten Nutznießern der aktuellen US-Regierung von Präsident Donald Trump gehören.

Jüngster Beleg: Dimon sowie Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein sind die beiden Wall-Street-Bankchefs, deren persönliches Vermögen sich seit der Wahl Trumps zum US-Präsidenten aufgrund der seither gestiegenen Aktienkurse der US-Banken mit riesigem Abstand am stärksten vermehrt hat. Beide gemeinsam erzielten ein Plus von etwa 314 Millionen Dollar, berichtet die "Financial Times" mit Verweis auf Daten der Beratungsfirma Equilar.

Sowohl Dimon als auch Blankfein vermehrten also ihr Aktienvermögen im vergangenen Jahr um jeweils mehr als 150 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Der Durchschnitt der übrigen 18 Top-Vorstandschefs internationaler Banken kam auf ein Plus von im Schnitt lediglich vier Millionen Dollar, so die "FT".

Hintergrund sind die Kursanstiege, die insbesondere die Aktien amerikanischer Banken an der Börse seit der Wahl Trumps zum Präsidenten hingelegt haben. Investoren blickten in den Monaten nach der Wahl offenbar optimistisch auf zu erwartende Deregulierungen seitens der Regierung Trump, von denen die Banken erheblich profitieren würden.

Folge: Die Aktie von JP Morgan notiert heute etwa 25 Prozent höher als zum Zeitpunkt der Wahl Anfang November 2016. Bei Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen steht bis dato ein Kursplus von rund 15 Prozent zu Buche, wobei in beiden Fällen die Kursgewinne bis Jahresende 2016 noch größer ausfielen. Seither sind die Kurse wieder leicht gesunken.

Und noch in einem anderen Ranking steht Jamie Dimon 2016 wie schon im Jahr zuvor an der Spitze: Kein anderer Bankchef an der Wall Street verdiente im vergangenen Jahr so viel Geld wie der Chef von JP Morgan. Inklusive Boni und anderer Zuschreibungen kam Dimon 2016 auf Bezüge von 28,2 Millionen Dollar, so die "FT". Auf Platz zwei folgt Morgan-Stanley-Chef James Gorman (22,5 Millionen Dollar), und dahinter Goldman-Vormann Lloyd Blankfein mit 22,3 Millionen Dollar.

Dimon ist es "beinahe peinlich, als Amerikaner durch die Welt zu reisen"

Die hohen Bezüge des JP-Morgan-Chefs kommen allerdings nicht von ungefähr. Vielmehr schloss auch sein Institut das vergangene Geschäftsjahr erfolgreicher ab als je zuvor. So erzielte JP Morgan 2016 einen Gewinn von knapp 27 Milliarden Dollar - so viel hatte bislang keine andere US-Bank zuvor in einem Jahr verdient.

Gründe, sich zufrieden zurückzulehnen, hätte Jamie Dimon also genug. Doch das tut er nicht. Schon im Frühjahr dieses Jahres kritisierte er die Situation in den Vereinigten Staaten in einem Brief an die Investoren seiner Bank mit ungewöhnlich deutlichen Worten ("Es läuft etwas schief in Amerika").

In einer Telefonkonferenz mit Journalisten und Analysten legte der Mann, der angeblich vor Monaten ein Angebot ausgeschlagen hat, US-Finanzminister zu werden, nun vor wenigen Tagen nach. Dimon beschwerte sich über den politischen Stillstand, der gegenwärtig in Washington herrscht. Es sei "beinahe peinlich, als Amerikaner durch die Welt zu reisen" und sich den Unsinn anzuhören, der dieses Land zurzeit beschäftige, sagte er.

Insbesondere der Mangel an Infrastrukturinvestitionen in seinem Land regt Dimon offenbar auf. "Ich war kürzlich in Frankreich, ich war in Argentinien, war in Israel, war in Irland. Wir haben auch die Premierminister von Indien und China getroffen", sagte er. Es sei unglaublich, dass jeder einzelnen dieser Nationen klar sei, dass praktische Politik, die der Wirtschaft guttue, letztlich auch gut für die Menschen im Land sei, für Jobs und Löhne. Nur im freien Wirtschaftssystem Amerikas, so Dimon, scheine es diese Einsicht nicht mehr zu geben.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Die amerikanische Geschäftswelt sei stark und mächtig, und sie werde auch künftig weiter wachsen, so Dimon weiter. Es gäbe aber deutlich mehr Wachstum, wenn kluge Entscheidungen getroffen würden und der Stillstand ein Ende hätte, sagte er.

Es ist also offenbar eine Menge Unzufriedenheit, die da zurzeit auf dem Chef von JP Morgan Chase lastet. Ein Blick auf sein Konto dürfte seine Stimmung allerdings wieder ein wenig heben.

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