Samstag, 18. November 2017

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Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ist tot - "Er war einer unserer Besten"

Heiner Geißler

Der frühere Bundesminister und CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ist nach Angaben seines Sohnes Dominik tot. Geißler starb im Alter von 87 Jahren nach schwerer Krankheit, berichtete zuerst die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Geißlers Sohn.

Heiner Geißler gilt als Modernisierer der CDU. Von 1982 bis 1985 war er Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit und profilierte sich als Sozialpolitiker. Das Amt des Generalsekretärs hatte Geißler von 1977 bis 1989 inne und damit länger als jeder andere Generalsekretär. Geißler hatte für seine Partei drei Bundestagswahlkämpfe organisiert.

Weil Geißler und andere CDU-Größen Ende der 80er Jahre nicht mehr an eine erfolgreiche CDU unter ihrem Vorsitzenden und Bundeskanzler Helmut Kohl glaubten, probte Geißler den Aufstand. Geißler wollte Kohl als Parteichef durch Lothar Späth, den Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, ersetzen.

Der Fall der Grenze zur DDR aber kam dazwischen. Auf dem Parteitag 1989 in Bremen verlor Geißler den Machtkampf mit Helmut Kohl. Kohl setzte Geißler als Generalsekretär ab. "Geißler wurde einer der engagiertesten Kapitalismuskritiker in der Bundesrepublik, gewann nun den Respekt und die Anerkennung seiner früheren politischen Gegner", schreibt Heribert Prantl von der "Süddeutschen Zeitung".

Doch auch schon während seiner Zeit als Generalsekretär scheute der Querdenker Heiner Geißler nicht vor Polarisierungen zurück. Seit 2007 war er Mitglied des globalisierungskritischen Netzwerks Attac. Eine seiner letzten großen Aufgaben war die Moderation im erbitterten Streit um das Bahnprojekt "Stuttgart 21".

"Er war einer unserer Besten"

Politiker von Union, SPD und Grünen reagierten am Dienstag erschüttert auf den Tod des Ausnahmepolitikers und drückten ihre Hochachtung für die Lebensleistung des Rheinland-Pfälzers aus.

Kanzleramtschef Peter Altmaier schrieb auf Twitter, Geißler habe die CDU geprägt: "Soziale und ökologische Verantwortung, Menschlichkeit. Ich bin tief erschüttert. Sein Vermächtnis bleibt."

Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner nannte Geißler einen großen Rheinland-Pfälzer, streitbar und klug. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schriebt auf Twitter: "Intellektuell brillant, Politik aus Grundsätzen gestaltend und scharf in der Debatte - das war Heiner Geißler. Er war einer unserer Besten."

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann schrieb ebenfalls auf Twitter, Deutschland verliere mit Geißler einen großen Demokraten und "streitbaren Politiker, der es keinem leicht gemacht hat. Seine Stimme wird fehlen." Der Grünen-Politiker Omid Nouripour schriebt: "Ein Mann der Werte und der Haltung ist von uns gegangen."

rei mit dpa

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