Mittwoch, 26. Juli 2017

Das deutsche Gesicht der Finanzkrise Ex-HRE-Chef Georg Funke ab heute auf der Anklagebank

Schlecker, Hoeneß, Funke: Die spektakulärsten Wirtschaftsprozesse
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AP

Am heutigen Montag beginnt in München nach jahrelanger Verzögerung der Strafprozess gegen Georg Funke, den ehemaligen Chef der untergegangenen Immobilienbank HRE.

Seit vielen Jahren scheut Georg Funke die Öffentlichkeit. Am 20. März wird der frühere Chef der Immobilienbank HRE sich der unangenehmsten Form der Aufmerksamkeit stellen müssen: auf der Anklagebank des Landgerichts München I. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise Ende des vergangenen Jahrzehnts war die HRE der teuerste Schadenfall für den Bund: Das "systemrelevante" Institut wurde mit mehr als 120 Milliarden Euro Bürgschaften gestützt, um den drohenden Kollaps weiterer Banken zu verhindern. Funke stand als Paradebeispiel eines Gierbankers da.

Doch Funke fühlt sich keineswegs als Täter, sondern als Opfer. "Wir kämpfen natürlich darum, einen Freispruch zu bekommen", sagt Anwalt Wolfgang Kreuzer.

Ursprünglich wurde gegen Funke und mehrere andere Ex-HRE-Manager wegen Untreue ermittelt. Davon ist nur noch wenig übrig. Funke wird vorgeworfen, 2007 und 2008 Bilanzzahlen geschönt zu haben, mögliche Maximalstrafe sind drei Jahre Gefängnis. Der mitangeklagte ehemalige Finanzvorstand Markus Fell muss sich darüber hinaus wegen Marktmanipulation verantworten, strafbar mit maximal fünf Jahren Haft.

Wie in den Prozessen der vergangenen Jahre deutlich geworden, war die Finanzkrise in der Empfindung vieler beteiligter Banker kein selbstverschuldetes Unglück, sondern eine Art Naturkatastrophe, die über die Branche hereinbrach.

Im Falle der HRE war es ein Unternehmenskauf, der maßgeblich zum Kollaps beitrug: Im Herbst 2007 - ein halbes Jahr nach Beginn der Finanzkrise - übernahm die HRE für mehr als fünf Milliarden Euro die in Irland ansässige Pfandbriefbank Depfa.

Wie sich wenig später herausstellte, war das der schlechtestmögliche Zeitpunkt. Anfang 2008 wurden die Probleme offenbar, die HRE-Aktie stürzte ab. Funke aber schätzte die Lage zunächst sonnig ein: "Ich kenne Kollegen, die würden beten, wenn sie in so einer Situation wären", sagte der Bankier im Januar 2008 - und meinte damit ein Dankgebet wegen der angeblich günstigen Lage.

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