Dienstag, 21. November 2017

Seltener Beifall für Manager Warum ein Firmenchef sein Gehalt massiv kürzt

70.000 Dollar im Jahr für alle Mitarbeiter inklusive des Chefs - ob deutsche Unternehmen diesen Gehaltsweg gehen würden? Dan Price ist Herr über Gravity Payments und will genau das versuchen. Der Beifall der Kollegen ist ihm gewiss.

Weniger als ein Zehntel seines alten Gehalts will Dan Price sich künftig zahlen. Klingt utopisch, soll aber der Wahrheit entsprechen. Denn Dan Price ist Chef des US-Bezahldienstes Gravity Payments. Und er gebietet über 120 Angestellten. Denen will er künftig einen jährlichen Mindestlohn von 70.000 Dollar (66.200 Euro) zahlen. Dazu sollen die Löhne über die kommenden drei Jahre schrittweise angehoben werden. Um das zu finanzieren, wolle er selbst sein Gehalt drastisch reduzieren.

Price kündigte an, sein eigenes Gehalt von einer Million auf 70.000 Dollar zu senken. Sein Gehalt sei "wirklich sehr hoch gewesen", weshalb er es auf den künftigen Mindestlohn senken wolle, bis der Firmengewinn das Niveau wie vor der aktuellen Gehaltsanpassung erreicht habe, sagte Price. Kluge Werbung - oder ehrliche Überzeugung?

Klar ist zumindest, dass Price aus einer ländlichen Gegend im US-Bundesstaat Idaho stammt und ist dafür bekannt ist, einen alten Audi zu fahren und in einer Dreizimmerwohnung zu wohnen. Unglaubwürdig ist die Meldung daher nicht. Und sie sorgt in den US-Medien, in denen verstärkt über die Ungleichheit der Gehälter diskutiert wird, für Schlagzeilen. Zumindest der Beifall seiner Mitarbeiter war ihm gewiss, als er diese Idee verkündete.

Gleicher Lohn für alle, das stößt auch in Deutschland immer wieder auf offene Ohren. Und einige Unternehmer gehen noch einen Schritt weiter als Price. Götz Werner zum Beispiel, Gründer der Drogeriekette DM, erklärte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "1000 Euro für jeden machen die Menschen frei". Ganz so weit geht Price dann doch nicht. Denn arbeiten sollen seine Mitarbeiter schon noch.

got/Material von afp

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