Sonntag, 24. Juli 2016

Ex-Siemens-Chef entmachtet Was hat Oligarch Vekselberg mit Peter Löscher vor?

Peter Löscher und Viktor Vekselberg (rechts)

Gut zwei Jahre liegt es zurück, dass der ehemalige Siemens-Chef Peter Löscher bei Viktor Vekselberg anheuerte, um dessen Holding RMAG und seine Beteiligungen zu steuern. Klanghafte Schweizer Namen wie Sulzer (Industrie), OC Oerlikon (Technologie), Züblin (Immobilien) und Schmolz + Bickenbach (Stahl) versammeln sich unter dem Holding-Dach.

Besonders erfolgreich agierte Löscher aus Sicht des russischen Oligarchen dabei offenbar nicht. Alle Firmen haben seit seinem Amtsantritt massiv an Wert verloren - der Oligarch musste den Wert seiner Schweizer Beteiligungen um einen einstelligen Milliardenbetrag korrigieren.

Verantwortlich sieht sich Löscher dafür nicht. Dazu müssten sich die Firmen äußern. "Ich spiele da keine Rolle", hatte Löscher noch im Herbst vergangenen Jahres "Bilanz" in den Block diktiert. Nun ist der Österreicher seinen Chefposten los, berichten Schweizer Medien.

"Wir haben eine russische Machtdemonstration erlebt, eine Art Sowjet-Takeover", zitiert die "Schweiz am Sonntag" einen Insider. Zwar verbleibe Löscher im Konzern und trage künftig den Titel eines "Vice Chairman". Faktisch käme das aber einer Entmachtung gleich, weil Löscher damit auch seine operative Verantwortung verloren habe.

Vekselberg, dem laut "Bilanz" der Ruf anhängt, wichtige Entscheidungen zuweilen auch im Alleingang zu fällen, habe zudem den Finanz- und den Kommunikationschef der Holding vor die Tür gesetzt. Ein Kommentar zu den Veränderungen und Entlassungen gab es weder von Renova noch der Konzernmutter aus Moskau dazu.

Auch bei Sulzer läuft es nicht rund - Soll Löscher hier einen Käufer suchen?

Löscher ist immer noch Verwaltungsratspräsident bei Sulzer, die als Vekselbergs wichtigste Beteiligung (63 Prozent) gilt. Ob er diese Position wird halten können, sei unklar, heißt es in Schweizer Berichten weiter. Zwar zeichnet Löscher hier nicht als CEO verantwortlich. Doch bei einem Gewinnrückgang von 73 Prozent im vergangenen Jahr dürfte sich Vekselberg schon fragen, ob Löscher hier die Sache womöglich nicht entglitten ist.

Der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hatte Löscher kürzlich noch gesagt: "Wir werden Sulzer zu neuer Größe führen", auch wenn dies eine Fusion mit einem Wettbewerber bedeutete. Darauf könnte es auch hinauslaufen.

Nach einem Bericht der "Neue Züricher Zeitung" habe Mehrheitsaktionär Vekselberg seine Pläne für den Industriekonzern geändert. Renova schließe einen Verkauf oder eine Fusion von Sulzer explizit nicht mehr aus, berichtet die NZZ unter Berufung auf einen Sprecher. Gut möglich, dass Löscher genau diesen Deal noch über die Bühne bringen soll.

Von dem ehemaligen Siemens-Chef selbst ist dazu keine Silbe zu vernehmen. Noch Mitte Januar lobte dieser Vekselberg, nahm den in der Schweiz wenig beliebten Russen öffentlich in Schutz. "Ohne ihn als Ankeraktionär und Kapitalgeber würde es Schweizer Traditionsunternehmen wie Sulzer oder Oerlikon so nicht mehr geben." Negatives im Leben des Oligarchen, etwa Ärger mit der Schweizer Justiz beim Aufbau der Beteiligung OC Oerlikon, bügelte Löscher einfach glatt: Vekselberg habe halt die "falschen Ratgeber" gehabt.

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Löscher war im Juli 2013 als Chef bei Siemens abgelöst und durch Joe Kaeser ersetzt worden. Gut ein halbes Jahr später heuerte der Österreicher bei der Holding Renova des russischen Oligarchen Vekselberg an
Getty Images
Löscher war im Juli 2013 als Chef bei Siemens abgelöst und durch Joe Kaeser ersetzt worden. Gut ein halbes Jahr später heuerte der Österreicher bei der Holding Renova des russischen Oligarchen Vekselberg an

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