Samstag, 16. Dezember 2017

United-Internet-Gründer: Ehrenpreis für soziales Engagement Ralph Dommermuth: Der Nothelfer

Dankbar: Weil es ihm gut gehe, will Ralph Dommermuth mit seinen diversen sozialen Engagements etwas zurückgeben
Steffen Roth für Manager Magazin
Dankbar: Weil es ihm gut gehe, will Ralph Dommermuth mit seinen diversen sozialen Engagements etwas zurückgeben

Der Internetunternehmer Ralph Dommermuth zieht die Strippen hinter vielen Spenden- und Hilfsprogrammen. Ohne ihn hätte es die konzertierte Flüchtlingsaktion der deutschen Wirtschaft nicht gegeben.

Es war im Oktober 2015 in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel traf sich mit einigen Unternehmensführern. Das macht sie öfters. Normalerweise wird dort über die wirtschaftliche und politische Situation gesprochen.

Doch an jenem Abend war es anders. Merkel war gerade von einer Reise in die Türkei zurück, und nur ein Thema beherrschte die Diskussion: die Flüchtlinge. "Nicht, weil die Kanzlerin das wollte. Es hat sich einfach so ergeben", sagt Ralph Dommermuth (54). Der Inhaber von United Internet (1&1, GMX, Web.de) war einer der Teilnehmer der Berliner Runde.

Einige der Anwesenden berichteten über die Unterstützung von Flüchtlingen in ihren Unternehmen, einer trug persönliche Erfahrungen in einer Erstaufnahmeeinrichtung vor, ein anderer erinnerte an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als Millionen Vertriebene ihre Heimat im Osten verlassen mussten und aufgenommen wurden.

Dommermuth meldete sich zu Wort: "Wir überlassen alles der Kanzlerin. Unseren Unternehmen geht es gut, und wir sind ein Teil der Gesellschaft. Lasst uns doch überlegen, wie wir unseren Beitrag leisten können, wie wir zusammen mit unseren Mitarbeitern Geflüchtete in unsere Arbeitswelt und Gesellschaft integrieren können."

Auch unsere Unternehmen sollten ihren Beitrag zur Integration von Flüchtlingen leisten"

Nach dem Essen kamen die Kollegen auf ihn zu. "Wenn Sie da was machen, wir sind dabei." Dommermuth antwortete: "War nur ein Gedanke. Ich will gar nichts machen."

Und dann ruhte die Idee ein paar Wochen - bis zu einem Abendessen mit seinem alten Freund Alexander Geiser, Partner der Kommunikationsberatung Hering Schuppener. "Da kamen wir wieder auf das Thema Flüchtlinge, und ich erzählte von meiner Idee." Sie entschieden, eine Aktion zu starten, bei der Unternehmen aktiv werden und ihre Erfahrungen mit anderen Firmen austauschen sollten.

Sie teilten auf: Wer kennt wen? Wer ruft wen an und fragt: Engagiert ihr euch für die Integration von Flüchtlingen, wenn ja, wie? Manche fragten zurück: "Was solle eine Beteiligung kosten?" Dommermuth antwortete: "Ich will kein Geld. Ihr sollt aktiv werden."

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Nach wenigen Wochen hatten sie 36 Unternehmen zusammen - von Adam Opel bis WMF. Den Namen der Aktion "Wir zusammen" steuerte Jean-Remy von Matt bei. Am Aschermittwoch 2016 wurde die Aktion gestartet.

Ein Fünfpersonenbüro in Düsseldorf koordiniert die Aktion. Organisatorisch hängt sie an der Ralph und Judith Dommermuth Stiftung. Judith ist Dommermuths Ehefrau.

"Wir zusammen" versteht sich als Kommunikationsplattform, auf der sich Unternehmen über ihre Flüchtlingshilfen austauschen. Das geschieht über Netzwerktreffen und ein spezielles Intranet.

Das ist der eine Teil der Arbeit. Der andere: "Es ist wichtig, dass noch mehr Unternehmen mitmachen", sagt Dommermuth. Deshalb gibt es Informationsveranstaltungen in großen Städten und Kampagnen mit Mailings, TV-Spots, Onlinewerbung und Anzeigen. Auch hier greift der Internetmilliardär gelegentlich persönlich zum Hörer und fragt nach Sonderrabatten.

Das Trommeln zeigt Erfolg. Inzwischen haben sich über 200 Unternehmen - große wie kleine - der Aktion angeschlossen. Rund 10.000 Arbeitsplätze sind so für Flüchtlinge geschaffen worden. Viel zu wenig, kritisieren Neunmalkluge, das sei doch nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Solche Kritik prallt an Dommermuth ab. Die Flüchtlingshilfe ist nicht Dommermuths einziges soziales Engagement. 2006 hat er die Stiftung United Internet for Unicef gegründet. Zwei Motive trieben ihn dazu an. Erstens: "Ich wollte mich für Kinder engagieren. "Der zweite, eher ökonomische Antrieb: "Ich mag Projekte."

Der Reiz dieses Vorhabens war: Onlinespenden zu generieren. Das war vor elf Jahren in Deutschland völlig neu. "Wir wussten nicht, ob es klappt", gibt Dommermuth zu.

Der Anstifter
Der Preisträger
Der Preisträger Ralph Dommermuth machte eine Lehre bei der Deutschen Bank. Mitte 20 gründete er 1988 in seiner Heimatstadt Montabaur das Unternehmen 1&1 Marketing GmbH, aus der 2000 der Konzern United Internet AG (Web.de, GMX) wurde. Dommermuths Vermögen wird auf 4,5 Milliarden Euro geschätzt.
Die Engagements
Bereits 2006 gründete der Unternehmer die Stiftung United Internet for Unicef. Sie verwaltet Spenden, die online gesammelt werden. Sein Konzern verdoppelt zum Teil die eingehenden Spenden. 40 Millionen Euro kamen so bislang für Unicef zusammen. Zudem ist Dommermuth an der Westerwelle Foundation beteiligt. Sein derzeit größtes Engagement ist die von ihm initiierte Aktion "Wir zusammen", in der über 200 deutsche Unternehmen ihre Aktivitäten bei der Flüchtlingshilfe koordinieren und mit gutem Beispiel vorangehen.

Heute weiß er es: 40 Millionen Euro kamen bislang zusammen. Seine Stiftung ist der größte Unternehmensspender hierzulande. Zum Teil werden die Zuwendungen von United Internet verdoppelt - meist vor Weihnachten. Bei der Auswahl der Projekte hält sich Dommermuth raus. Er sei mehr der klassische Fundraiser mit seinem "großen Netzwerk".

Das nutzte er auch für die 2013 gegründete Westerwelle Foundation. Gemeinsam mit seinem Duzfreund, dem inzwischen verstorbenen Ex-Außenminister Guido Westerwelle, entwickelte er das Stiftungskonzept - wieder mal bei einem Abendessen in Berlin. Wirtschaftlicher Erfolg basiert auf Demokratie, so die Grundidee. Und so fördert die Stiftung unter anderem die afrikanische Gründerszene durch Seminare und Stipendien.

Nach Westerwelles Tod wird sie von Witwer Michael Mronz weitergeführt. Dommermuths Rolle beschränkt sich auf die Verabschiedung des Wirtschaftsplans und die gelegentliche Teilnahme an den Vorstandssitzungen. Mehr schafft er nicht, sein Konzernjob fordert ihn voll.

Warum überhaupt all diese sozialen Engagements, wenn er doch mit der Expansion von United Internet schon ausgelastet genug ist? "Mir geht es gut", sagt Dommermuth, dessen Vermögen auf 4,5 Milliarden Euro taxiert wird. "Ich will etwas zurückgeben." Dieses Land habe ihm die Chancen eröffnet, das zu werden, was er ist. "Das macht mich dankbar."

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