Freitag, 28. Juli 2017

Easyjet-Chefin geht zu TV-Sender Diese Frau lehrte Ryanair-Chef O'Leary das Fürchten

Wechselt den Arbeitgeber: Easyjet-Chefin Carolyn McCall geht zum Fernsehen

Sieben Jahre führte Carolyn McCall den Billigflieger Easyjet. Anfangs vom Wettbewerber und Ryanair-Chef O'Leary noch verlacht, trieb sie Easyjet von Gewinn zu Gewinn und die Aktie in die Höhe. Jetzt wechselt die Topmanagerin an die Spitze des britischen TV-Senders ITV. McCall kennt die Branche gut, vor Easyjet führte sie die britische Guardian Media Group an.

Die Chefin der Billig-Fluggesellschaft Easyjet, Carolyn McCall, wechselt an die Spitze des britischen Privatsenders ITV. Sie werde die Nachfolgerin des bereits zurückgetretenen Adam Crozier und übernehme den Job im Januar, teilte ITV am Montag mit. McCall ist die Medienbranche keineswegs fremd. Sie hatte zuvor den Zeitungsverlag Guardian Media Group geführt, bevor sie 2010 bei Easyjet anheuerte. Britische Medien hatten am Wochenende über den bevorstehenden Wechsel der 55-Jährigen spekuliert.

Während ihrer sieben Jahre an der Spitze der Fluggesellschaft habe sie dazu beigetragen, mehr Kunden zu gewinnen und deren Verbundenheit mit der Marke zu festigen, teilte die Fluggesellschaft mit. Dies habe sich auch positiv auf den Aktienkurs ausgewirkt.

Trockenes, britisches Understatement kann man dazu nur sagen. Denn in der Tat hat sich - auch wenn Wechselkursverluste im Zuge des schwachen Pfundes zuletzt die Gewinnentwicklung drückten - der Aktienkurs seit McCalls Amtsantritt mehr als verdreifacht. Der Gewinn übrigens ebenso.

Angesichts solcher Entwicklungen stellte McCall die männlichen Kollegen der Wettbewerber zusehends in den Schatten. Lästerte Ryanair-Chef Michael O'Leary in den ersten Wochen nach ihrem Amtsantritt noch über die "Medien-Tussi", kopierte er zuletzt ob des Erfolgs sogar McCalls Offensive für Geschäftskunden.

Anfangs lästerte Ryanair-Chef Michael O'Leary noch

Völlig überraschend ist der Weggang der Topmanagerin indes nicht. Bereits zu Beginn vergangenen Jahres warb der Einzelhändler Marks & Spencer intensiv um McCall. Die Mutter dreier Kinder lehnte ab: "Ich war nicht interessiert", sagte sie seinerzeit und fügte hinzu, sie bleibe Easyjet auf "absehbare Zeit" erhalten.

Diese Zeit ist jetzt wohl um. Womöglich hat McCalls bereits eine klare Vorstellung davon, welche Probleme mit dem Brexit auf britische Unternehmen und insbesondere europaweit aktive Billigfluggesellschaften wie Easyjet zukommen werden.

"Medien-Tussi": Ryanair-Chef O'Leary machte sich anfangs noch lustig über die Frau an der Spitze des Wettbewerbers Easyjet.

Derzeit dürfen britische Airlines aufgrund von EU-Regeln unbegrenzt zwischen den Mitgliedsländern und auch innerhalb der Staaten fliegen. Mit dem für März 2019 geplanten Ausstieg der Briten fallen diese Rechte weg. Ersatzvereinbarungen wurden bislang noch nicht geschlossen. Die für Verhandlungen zur Verfügung stehende Zeit sei extrem knapp, warnte McCall noch vor wenigen Tagen.

Schon vor dem britischen Volksentscheid über die EU-Mitgliedschaft hatte McCalls vehement für den Verbleib in der Staatengemeinschaft Stimmung gemacht. Zugleich warnte sie davor, dass sich wegen des zu erwartenden Pfund-Sturzes nach dem Brexit wohl nur noch Wohlhabende Flugreisen leisten könnten.

Weggang McCalls trifft Easyjet in schwieriger Phase

Aber Easyjet bereitet sich vor: Von den insgesamt 250 Maschinen der Fluggesellschaft sind 100 mit britischer Zulassung in den anderen EU-Staaten stationiert. Diese Flugzeuge sollen nun auf eine österreichische Tochter übertragen werden. Die Airline werde in Wien einen neuen Ableger stationieren, der eine österreichische Fluglizenz erhalten solle, hatte Easyjet zuletzt mitgeteilt. Damit werde sichergestellt, dass man nach dem Brexit den Flugbetrieb innerhalb der EU fortführen könne.

Für den Standort Österreich dürften indes auch günstigere Tarifbedingungen eine Rolle gespielt haben. In der Schweiz besteht bereits eine weitere Tochtergesellschaft mit 25 Flugzeugen und 950 Beschäftigten.

mit Reuters

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