Sonntag, 24. September 2017

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Beeindruckender Track-Record Donald Trump könnte in erster Amtszeit 650 Gegner beleidigen

3mal täglich, gerne gegen Medien: So beleidigt Donald Trump via Twitter
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DPA

Die "New York Times" gilt als eine der besten Zeitungen der Welt und ist bekannt für sorgfältigen Qualitätsjournalismus. Gleichzeitig ist das Blatt in den vergangenen Monaten zu einem der Lieblingsgegner von US-Präsident Donald Trump avanciert. Wiederholt schoss der Präsident bereits via Twitter gegen die Zeitung, und das selten, ohne die "New York Times" in den Tweets mit dem Zusatz "failing" ("angeschlagen") zu charakterisieren.

Allerdings ist die "Times" keineswegs das einzige Objekt, das sich Trumps regelmäßigen Beleidigungen ausgesetzt sieht. Beleidigen, heruntermachen oder diskreditieren, so kristallisierte es sich vielmehr bereits im US-Wahlkampf heraus, gehört offenbar zu den liebsten Beschäftigungen des Mannes, der inzwischen im Weißen Haus residiert. Prominente aus Politik oder TV, Unternehmen und deren Manager, selbst Länder oder ganze Bevölkerungsgruppen - bei Trump, so zeigt sich, bekommt jeder, der nicht nach seiner Pfeife tanzt, sein Fett weg.

Die "New York Times" allerdings, Qualitätszeitung, die sie nun einmal ist, geht auch mit diesem Thema hochprofessionell um: Nüchtern, sachlich und unbeeindruckt führen die Journalisten der "großen, alten Dame" Buch über Trumps Ausfälle, die in der Regel über den Kurznachrichtendienst Twitter das Licht der Welt erblicken.

Was dabei herauskommt, ist eine umfassende Statistik von Trumps Beleidigungen. Ein Werk aus Zahlen und Fakten, das sich einerseits amüsant liest, das andererseits aber auch angesichts des Amtes, das der Absender der ausgewerteten Kurzbotschaften innehat, und der Themen, die dabei eine Rolle spielen, eine bitterernste Bedeutung hat.

Hier die wichtigsten Erkenntnisse der "New York Times" über die Beleidigungen des US-Präsidenten Donald Trump:

  • Dem 30-Tage-Durchschnittswert zufolge, den die "New York Times" angibt, beleidigt US-Präsident Donald Trump gegenwärtig im Schnitt etwa drei Personen, Orte oder andere Dinge am Tag.
  • Bislang hat Trump seit Beginn des Wahlkampfes laut "New York Times" 350 Menschen, Orte oder andere Dinge beleidigt. Und nach wie vor kommen stetig neue Gegner hinzu.
  • Allein seit dem Wahlsieg, so die "Times", hat Trump 50 neue Objekte für Beleidigungen ausfindig gemacht, wobei er eine bemerkenswerte Bandbreite abdeckt. Zu Trumps jüngsten Neuentdeckungen für Beleidigungen zählen der "Times" zufolge beispielsweise: das Broadway-Musical "Hamilton", der Rapper Snoop Dogg, Nordkorea, Ex-FBI-Chef James Comey sowie die Europäische Union.
  • Beleidigt Trump im bisherigen Tempo weiter - und wenig spricht dafür, dass sich daran etwas ändern wird -, so wird er bis zum Ende seiner ersten Amtszeit insgesamt mehr als 650 Menschen, Orte oder andere Dinge beleidigt haben. Sollte er eine zweite Amtszeit erreichen, dürfte die Zahl sogar auf über 1000 ansteigen.
  • Gegenüber dem Wahlkampf war Trumps Beleidigungsrate zu Beginn seiner Amtszeit der Statistik der "New York Times" zufolge sichtbar zurückgegangen. Zuletzt steigerte Trump jedoch wieder die Häufigkeit seiner Beleidigungen, wobei insbesondere Medien und Journalisten zunehmend zum Ziel seiner Anwürfe werden. In den letzten Wochen etwa, so stellt die "Times" fest, waren die Medien Gegenstand von mehr als der Hälfte der Beleidigungen, die der US-Präsident via Twitter in die Welt sandte. Der Zeitung zufolge steht der Versuch des Weiße Hauses, zunehmend die Medien zu diskreditieren, in Zusammenhang mit der jüngsten Berichterstattung über die Trump-Russland-Affäre.
  • Zu den Beleidigungen des US-Präsidenten gegenüber Journalisten oder Medien zählen beispielsweise: "dishonest" ("unehrlich", "verlogen"), "Fake News" ("Falschmeldungen"), "phony" ("erfunden", "gefälscht"), "sick" ("krank"), "DISTORTING DEMOCRACY in our country" ("ENTSTELLT DIE DEMOKRATIE in unserem Land"), "highly slanted" ("stark tendenziös") und "the enemy of the American People" ("Der Feind des amerikanischen Volkes").
  • Ebenso hat US-Präsident Trump seit einiger Zeit zwei weitere Lieblingsziele für Beleidigungen entdeckt: Das ist zum einen das Gesundheitssystem "Obamacare", das sein Amtsvorgänger Barack Obama eingeführt hatte, und das Trump mit Vorliebe als "failing" ("angeschlagen"), "broken" ("kaputt"), "dead" ("tot"), "disaster" ("Desaster") oder auch "complete and total disaster" ("komplettes und totales Desaster") bezeichnet.
  • Und zum anderen sind es "Investigations" ("Ermittlungen"), und zwar jene zu den Verbindungen des Trump-Lagers nach Russland. Diese nennt Trump in seinen Tweets gerne "Witch Hunt" ("Hexenjagd"), "phony" ("erfunden", "gefälscht"), "Sad!" ("Traurig!"), "fabricated by Dems as an excuse for losing the election" ("erfunden von den Demokraten als Entschuldigung für die verlorene Wahl"), "a total hoax" ("ein totaler Witz") oder "a total scam" ("ein totaler Schwindel").
Christoph Rottwilm auf Twitter

Generell, so die "Times", zeigt sich ein immer wiederkehrendes Muster in Trumps Beleidigungen: Der US-Präsident sucht sich ein paar Hauptgegner und attackiert diese, bis sie für ihn keine Rolle mehr spielen. Das könne Wochen oder Monate dauern, notieren die Journalisten von der "Times". Und wie gesagt: Diese Leute wissen, wovon sie da schreiben.

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