Mittwoch, 24. August 2016

Manager geht zurück zu McKinsey Deutsche Bank verliert Sonderbeauftragten für Kulturwandel

Thomas Poppensieker: Hochkaräter in Sachen Kulturwandel bei der Deutschen Bank geht
Deutsche Bank /Thomas Effinger
Thomas Poppensieker: Hochkaräter in Sachen Kulturwandel bei der Deutschen Bank geht

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Die Deutsche Bank verliert einen ihrer hochkarätigsten Mitarbeiter in Sachen Kulturwandel: Nach Informationen von manager magazin online wechselt Thomas Poppensieker, der erst 2013 als Sonderbeauftragter zum größten Geldinstitut des Landes gewechselt war, zurück zu seinem Ex-Arbeitgeber McKinsey. Für die US-Beratung soll er von München aus in seine frühere Rolle als Partner in der weltweiten Risiko-Praxis schlüpfen und direkt an Deutschlandchef Cornelius Baur berichten.

Die Deutsche Bank hatte Poppensieker vor gut zwei Jahren angeheuert. Er sollte die verschiedenen Kontrollabteilungen koordinieren und einheitliche Standards durchsetzen, vor allem mit Blick auf das Risikomanagement und die Einhaltung der Regeln für gute Unternehmensführung ("Compliance"). Die Bank ist weltweit in tausende Rechtsstreitigkeiten verwickelt; deren Beilegung hat das Institut bislang rund 12 Milliarden Euro gekostet. Weitere 5,2 Milliarden Euro sind zurückgestellt.

Poppensieker hatte keinen Vorstandsrang, war aber den beiden Bankchefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain sowie ab Mitte 2015 dessen Nachfolger John Cryan als Sonderbeauftragter direkt unterstellt. Er gilt als treibende Kraft bei der Entwicklung des sogenannten "Three Lines of Defense"-Programm, das die Bank wie folgt definiert:

1) "Este Verteidigungslinie": Dazu gehören alle Unternehmensbereiche und ausgewählte Infrastrukturfunktionen. Sie übernehmen die Gesamtverantwortung für sämtliche Risiken und Kontrollen in ihren Geschäftsprozessen.

2) "Zweite Verteidigungslinie": Sie umfasst alle Kontrollfunktionen wie Risikosteuerung (Risk), Compliance, Recht (Legal), Personal (Human Resources), Finanzen (Finance) und Steuern (Tax). Diese sind für das Rahmenwerk der Richtlinien der Deutschen Bank und eine unabhängige Risikobewertung verantwortlich. Die erste und die zweite Verteidigungslinie sind voneinander unabhängig.

3) "Dritte Verteidigungslinie": die interne Revision (Group Audit). Sie stellt eine unabhängige und objektive Bewertung der Effektivität des Risikomanagements sowie der internen Kontroll- und Governance-Prozesse sicher.

Der gelernte Wirtschaftswissenschaftler ist Mitglied im Vorstand des Frankfurter Instituts für Risikomanagement und Regulierung (FIRM) und beriet die EU-Kommission bei der Einführung von strengeren Regeln für die Finanzbranche.

Die Deutsche Bank bestätigte am Abend den Abgang Poppensiekers. Das Projekt "Three Lines of Defense" sei erfolgreich implementiert.


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