Sonntag, 22. April 2018

Was der neue Deutsche-Bank-Chef anpacken will und muss Vom Lehrling zum Chef von fast 100.000 Bankern

"Solide darf nicht unser Anspruch sein": Der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing will mehr

Christian Sewing wird der jüngste Vorstandschef in der fast 150-jährigen Geschichte der Deutschen Bank. Wer ist der Mann, der fast sein ganzes Berufsleben für die einstige deutsche Vorzeigebank gearbeitet hat? Welche Expertise hat er, was muss Sewing jetzt anpacken, und ist er den Aufgaben gewachsen?

Vom Lehrling zum Chef von knapp 100.000 Bankern: Nach fast drei Jahrzehnten bei der Deutschen Bank krönt Christian Sewing seine Karriere. Der 47-Jährige folgt dem Briten John Cryan mit sofortiger Wirkung auf dem Schleudersitz in den Frankfurter Doppeltürmen.

An der Börse wurde die Personalie begrüßt. Die Aktie Börsen-Chart zeigen legte am Morgen rund 4 Prozent zu.

"Ich habe meine Karriere nie geplant", sagte Sewing im vergangenen Jahr in einem Interview. Damals war der FC-Bayern-München- und Vfl-Osnabrück-Fan gerade zusammen mit Marcus Schenck zum Co-Chef der Deutschen Bank aufgestiegen. Nun hat er den ehemalige Goldman-Sachs-Banker Schenck, der wegen der gemeinsamen Vergangenheit bei der US-Investmentbank lange als Ziehsohn von Aufsichtsratschef Paul Achleitner galt, im Rennen um die Cryan-Nachfolge ausgestochen.

Und der Neue macht - kaum acht Stunden nach seiner Ernennung - schon mal eine Ansage: "Mit Blick auf die Erträge müssen wir unsere Jägermentalität zurückgewinnen, uns in allen Geschäftsbereichen steigern und die Messlatte wieder höher legen", schwört der neue Vorstandschef seine Mitarbeiter in einer Nachricht am Montagmorgen auf schwere Zeiten ein.

"Es gibt nichts, worauf wir uns ausruhen können", heißt es in der Mitteilung weiter. Deutschlands größte Bank müsse schneller und klarer entscheiden und besser zusammenarbeiten. Der Start ins Jahr 2018 sei solide gewesen, "aber solide darf nicht unser Anspruch sein". Sewing war am späten Sonntagabend zum Nachfolger des bisherigen Vorstandsvorsitzenden John Cryan ernannt worden.

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Und Chefaufseher Paul Achleitner weiß auch warum: "Christian Sewing hat in seinen mehr als 25 Jahren bei der Deutschen Bank konstant bewiesen, dass er führungsstark ist und eine große Durchsetzungskraft hat", lobte Achleitner. "Der Aufsichtsrat ist überzeugt, dass es ihm und seinem Team gelingen wird, die Deutsche Bank erfolgreich in eine neue Ära zu führen."

Sewing wird der jüngste Vorstandschef in der fast 150-jährigen Geschichte des einstigen deutschen Vorzeige-Instituts und der erste der Nachkriegszeit, der seine Wurzeln im weniger glamourösen Privatkundengeschäft hat.

Sewing verbrachte fast sein ganzes Berufsleben bei der Deutschen Bank

Fast seine gesamte Karriere hat Sewing bei der Deutschen Bank verbracht: 1989 begann er seine Ausbildung zum Bankkaufmann in einer Bielefelder Filiale und blieb auch nach dem berufsbegleitenden Studium an der Bankakademie Bielefeld und Hamburg dem Institut treu. Bis auf ein zweijähriges Zwischenspiel von 2005 bis 2007 als Vorstand der DG Hyp, der Immobilienbank der genossenschaftlichen Institute, arbeitete er stets für Deutschlands größtes Geldhaus.

Sewing gilt in der Bank dort als bestens vernetzt, als Chef der internen Revision und Risikomanager hatte er während seiner Laufbahn auch Gelegenheit den Investmentbankern auf die Finger zu schauen, jener Sparte also, die für viele milliardenschwere Skandale bei der Deutschen Bank verantwortlich war.

Auslandserfahrung sammelte der Vater von vier Kindern an Standorten wie Singapur, Toronto, Tokio und London. Anfang 2015 stieg der passionierte Tennisspieler zunächst als Rechtsvorstand in das Führungsgremium auf, bevor er im Sommer 2015 zum Privatkundenchef ernannt wurde.

Unter Sewing schloss die Bank 200 Filialen und strich Tausende Jobs

Unter Sewings Führung schloss die Deutsche Bank fast 200 Filialen und strich Tausende Jobs. Er hat keinen Zweifel daran gelassen, dass auch die Wiedereingliederung der Postbank viele Arbeitsplätze kosten wird. Das größte deutsche Geldhaus hatte Anfang 2017 seine Verkaufspläne für die Bonner Tochter begraben. Ein neuer Riese im Privat- und Firmenkundengeschäft mit rund 20 Millionen Kunden soll entstehen. Mit Spannung wird nun erwartet, ob Sewing in seiner neuen Funktion auch bei der Investmentbank hart durchgreift und den Rotstift ansetzt.

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