Donnerstag, 17. August 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Deutsche Bank einigt sich mit Ex-Vorständen Ackermann und Co. verzichten auf Bonus-Millionen

Vorstandschefs Anshu Jain, Josef Ackermann und Jürgen Fitschen (v.l.) 2012

Im jahrelangen erbitterten Bonusstreit mit ihrem früheren Arbeitgeber verzichten elf ehemalige Vorstände der Deutschen Bank auf Zahlungen von zusammen 38,4 Millionen Euro. Das teilte das größte deutsche Geldhaus am Donnerstag in Frankfurt mit. Der freiwillige Verzicht beziehe sich auf einen großen Teil der noch nicht ausgezahlten Vergütung. Zugestanden hätte den Top-Managern den Angaben zufolge zusammen eine Summe von 69,8 Millionen Euro, von denen nun 31,4 Millionen ausbezahlt werden.

Die Deutsche Bank war in den vergangenen Jahren in zahlreiche Skandale verstrickt, die die Gewinne immer wieder auffraßen. Alleine seit 2012 musste das Institut fast 15 Milliarden Euro für die Beilegung von Rechtstreitigkeiten berappen. Aufsichtsratschef Paul Achleitner wollte durch die Einbehaltung der Boni einen - wenn auch vergleichsweise kleinen - Beitrag der Manager zu diesen Zahlungen erreichen. Die laufenden Ausschüttungen an noch amtierende Banker wurden drastisch gekürzt, was viele Angestellte unzufrieden macht.

Die Ex-Vorstände verzichteten nun freiwillig auf das Geld, wie die Bank betonte. Der Aufsichtsrat habe sich "auf Grundlage umfangreicher Untersuchungen mehrerer führender Anwaltskanzleien und forensischer Berater sowie unter Berücksichtigung der Feststellungen von Regulierungs- und Aufsichtsbehörden gegen eine persönliche Inanspruchnahme von Vorstandsmitgliedern entschieden", hieß es. Nach den Ergebnissen dieser Untersuchungen bestehe für durchsetzbare Ersatzansprüche gegen in den vergangenen Jahren amtierende Vorstandsmitglieder "keine ausreichende faktische und rechtliche Grundlage".

Freiwilliger Verzicht nach offenem Streit

Namen nannte die Bank in ihrer Mitteilung am Donnerstag nicht. Früheren Informationen aus Finanzkreisen zufolge handelt es sich bei den Betroffenen unter anderem um die ehemaligen Bankchefs Josef Ackermann, Anshu Jain und Jürgen Fitschen sowie den früheren Chefjurist Stephan Leithner, Ex-Finanzvorstand Stefan Krause, den ehemaligen Risikochef Hugo Bänziger, Ex-Privatkundenchef Rainer Neske und das ehemalige Vorstandsmitglied Henry Ritchotte. Ebenso zählt der aktuelle Risikovorstand Stuart Lewis zu der Gruppe.

Unklar ist, auf wie viel jeder einzelne Manager verzichtet. Dazu wollte sich die Deutsche Bank nicht äußern. Im Fall von Jain lagen früheren Angaben zufolge 7,27 Millionen Euro auf Eis. Hinzu kamen 161 000 Aktienoptionen - aktuell haben diese einen Wert von rund 2,6 Millionen Euro. Bei Ackermann waren es demnach 4,64 Millionen Euro und 124 000 Aktienoptionen (aktuell etwa 2 Millionen Euro).

Bänziger hatte sich noch im Juni vehement dagegen verwahrt, auf ihm zustehende Zahlungen zu verzichten, und Aufsichtsratschef Paul Achleitner der Lüge bezichtigt. Die Deutsche Bank hatte eine Einigung bereits im vergangenen Jahr gemeldet - und damit eine öffentliche Trotzreaktion Ackermanns hervorgerufen: "Man erkennt die Absicht, und ist verstimmt." Er könne rechtlich gar nicht dem Verzicht zustimmen, erklärte der langjährige Chef damals.

ak/rtr/dpa

Nachrichtenticker

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH