Sonntag, 18. Februar 2018

Vorwurf des Komplotts George Soros beschenkt Brexit-Gegner und sorgt für Empörung

US-Milliardär George Soros hat 400.000 britische Pfund an eine Anti-Brexit-Organisation für eine Kampagne gespendet. Andere einzelne Unterstützer sollen "Best for Britain" noch mehr Geld gegeben haben
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US-Milliardär George Soros hat 400.000 britische Pfund an eine Anti-Brexit-Organisation für eine Kampagne gespendet. Andere einzelne Unterstützer sollen "Best for Britain" noch mehr Geld gegeben haben

Der US-Milliardär George Soros hat eine britische Kampagne gegen den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU mit umgerechnet knapp einer halben Million Euro unterstützt. Aus den Stiftungen von Soros seien 400.000 Pfund an die Organisation "Best for Britain" geflossen, sagte deren Präsident, der ehemalige britische Minister Mark Malloch-Brown, im BBC-Fernsehen.

Viele Briten seien über den Brexit "frustriert", sagte Malloch-Brown. "Best for Britain" habe sich zum Ziel gesetzt, "die öffentliche Meinung für einen Verbleib des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union zu mobilisieren". Die Abgeordneten sollten vor der endgültigen Abstimmung des britischen Parlaments über den Brexit zu spüren bekommen, dass sich die Stimmung in dem Land gedreht habe. Der Austritt Großbritanniens aus der EU ist für März 2019 vorgesehen.

Die Kampagne löste in Großbritannien auch scharfe Kritik aus. Die konservative Zeitung "Daily Telegraph", die sich für den Brexit ausgesprochen hatte, bezichtigte den "Best for Britain"-Präsidenten eines Komplotts. Der Zeitung zufolge soll die Kampagne spätestens im Februar starten und zu einem zweiten Referendum über den Brexit führen.

Soros soll Kampagnen-Wortführer in seinem Haus getroffen haben

Laut Telegraph soll Soros die Wortführer der Kampagne in seinem Haus in London getroffen haben. Das Ergebnis des Treffens sei ein "strategisches Dokument" gewesen, demzufolge die geplante Kampagne das Land darauf aufmerksam machen müsse, "dass der Brexit keine erledigte Sache" sei und immer noch gestoppt werden könne.

Soros hatte bereits beim Weltwirtschaftsforum in Davos Ende Januar vor den Folgen des Brexit gewarnt und den Briten "Realitätsverweigerung" vorgeworfen. Zwar sei die derzeitige wirtschaftliche Lage "nicht so schlecht wie vorhergesagt". Dennoch prognostizierte Soros eine Abwertung des Pfund und eine steigende Inflation, was zu einem "sinkenden Lebensstandard" der Briten führen werde.

Der gebürtige Ungar hatte ein Vermögen mit Wetten gegen das britische Pfund 1992 gemacht. Sein Vermögen vom mehr als 20 Milliarden Dollar hat er großteils seiner Stiftung "Open Society" übertragen. Soros hatte die Stiftung vor mehr als 30 Jahren gegründet. Der Philanthrop und politische Kopf wählte den Namen der Stiftung in Anlehnung an das weltberühmte Buch "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" des Philosophen Karl Popper.

Soros' "Open Society" setzt sich für demokratische Bewegungen und Menschenrechte in mehr als 120 Ländern ein. Soros gilt als scharfer Kritiker des rechtskonservativen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban und der regierenden Fidesz-Partei.

rei mit afp

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