Mittwoch, 1. Juni 2016

Ausgerechnet ein Brite Der Mann, der den Brexit für die EU verhindern soll

Jonathan Faull: Der Brite gegen den Brexit

Nigel Farage gibt gern so etwas wie den britischen Löwen - er grollt und faucht, um seine Landsleute davon zu überzeugen, aus der Europäischen Union (EU) auszutreten, den "Brexit" zu wagen. Entgegen den Warnungen der in Großbritannien so dominanten Finanzindustrie, entgegen dem Murren der anderen EU-Länder. Bereits im Juni könnte abgestimmt werden. Nun bringt die EU immer öfter ihre Geheimwaffe in Stellung - einen Briten, der den Briten die EU schmackhaft machen soll. Der den Brexit verhindern soll.

Jonathan Faull ist so etwas wie ein Karriere-Europäer. Seit über dreißig Jahren arbeitet er für die EU-Kommission, ist im September vergangenen Jahres zum Vorsitzenden der "Task Force für strategische Fragen mit Blick auf das UK-Referendum" bestellt worden, so das sperrige EU-Deutsch. Eine echte Herkules-Aufgabe. Seine Waffe? Reden, immer wieder reden.

Dazu ist der studierte und polyglotte Jurist - fließendes Französisch- und gute passive Kenntnisse der deutschen, der niederländischen, der spanischen und der italienischen Sprache bescheinigt ihm der EU-Lebenslauf - am Mittwoch in Brüssel auf Farage und weitere Emissäre der EU-feindlichen UK Independence Party (Ukip) getroffen. "Danke, Jonathan, die Höhle des Löwen zu betreten", witzelte Ukip-Mann Paul Nuttall. Dann wurde Faull befragt. Wie, warum und ob die Kommission den Brexit zu verhindern gedenke. Die Antworten fanden offenbar nicht viel Beifall, wie "Bloomberg" berichtete.

Newsletter von Arne Gottschalck
Bereits zuvor war Faull für die EU aktiv - und erklärte Anfang des Jahres, man könne sich eine Vereinbarung zwischen Großbritannien und der EU vorstellen, solange die vier Grundfreiheiten der EU gewahrt blieben, vor allem die der Freizügigkeit. Aber das sei natürlich Sache der nationalen Politik, wie die "BBC" berichtet. "Es gibt eine Dynamik, die auf einen sehr guten Ausblick führt, dass bald eine Einigung erzielt wird", orakelte Faull vor dem Europäischen Parlament. Eine Einigung ohne Vertragsänderung wäre der Kompromiss, wie er dem britischen Premier David Cameron vorschwebt.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH