Dienstag, 24. Oktober 2017

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Der Tennisstar und die Immobiliengauner Boris Becker wollte Elternhaus an S&K verkaufen

Vorhand, Rückhand, unglückliches Händchen: Boris Becker steht wegen schwieriger Finanzen unter Druck
Getty Images
Vorhand, Rückhand, unglückliches Händchen: Boris Becker steht wegen schwieriger Finanzen unter Druck

Im Zuge der Finanzschwierigkeiten von Tennislegende Boris Becker kommt ein weiteres pikantes Detail ans Tageslicht: Wie die "Bild am Sonntag" berichtete, war der ehemalige Profisportler im Jahr 2011 drauf und dran, sein Elternhaus im Heimatort Leimen zu verkaufen - und zwar ausgerechnet an die Immobilien-Skandalfirma S&K mit Sitz in Frankfurt.

Laut "Bild am Sonntag" (kostenpflichtig) wollte S&K Beckers Elternhaus nebst 825-Quadratmeter-Grundstück für 400.000 Euro zuzüglich 14.000 Euro Grunderwerbsteuer kaufen. Der Kaufvertrag war bereits unterschrieben und das Geld auf dem Konto eines Notars eingegangen, so die Zeitung. Dann habe Becker jedoch ein wichtiges Dokument - einen Grundschuldbrief - nicht vorlegen können, und S&K trat vom Kaufvertrag zurück.

Aus heutiger Sicht kann Becker womöglich froh sein, dass das Geschäft nicht zustande gekommen ist: S&K flog Anfang 2013 im Zuge einer bundesweiten Großrazzia auf. Die Unternehmensgruppe soll gemeinsam mit Partnerfirmen illegale Immobiliengeschäfte getätigt und insgesamt etwa 11.000 Kapitalanleger um rund 240 Millionen Euro geprellt haben. Inzwischen wurden mehrere Verantwortliche - allen voran die S&K-Gründer Stephan S. und Jonas K. - zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Doch auch so ist die Finanzsituation von Tennislegende Boris Becker ganz offensichtlich alles andere als beneidenswert. Aufmerksam wurde die Öffentlichkeit darauf vor einigen Wochen, als ein Konkursgericht in London den dreimaligen Wimbledonsieger für zahlungsunfähig erklärte.

Die zuständige Richterin erklärte seinerzeit, es gebe keine glaubhaften Beweise dafür, dass Becker "substanzielle Schulden" demnächst bezahlen würden. Den Antrag von Beckers Anwälten auf einen Zahlungsaufschub lehnte sie ab. "Man hat den Eindruck eines Manns mit dem Kopf im Sand", kommentierte sie mit Bedauern.

Beckers Rechtsanwalt Christian Schertz hielt dagegen: "Das Verfahren betrifft ein Darlehen, das Herr Becker binnen eines Monats in voller Höhe zurückgezahlt hätte." Becker sei "überrascht und enttäuscht, dass sich die gegnerische Bank in einem konkreten Zivilverfahren in Großbritannien entschieden hatte, Klage gegen ihn einzureichen".

Doch das war noch nicht alles. Kurz darauf wurde auch eine Millionenforderung publik, die Beckers früherer Geschäftspartner Hans-Dieter Cleven gegen des Ex-Tennisstar erhebt. Cleven sehe sich gezwungen, Forderungen von rund 40 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet rund 36 Millionen Euro) "gegenüber Boris Becker auch in diesem Insolvenzverfahren geltend zu machen", hieß es in einer Mitteilung Clevens. Die Forderung wurde von einem Schweizer Gericht zwar zunächst zurückgewiesen. Dagegen ging Cleven jedoch in Berufung.

Hintergrund: Boris Becker gehört zu den erfolgreichsten Tennisspielern der Geschichte und war ohne Zweifel einer der besten Sportler, die es hierzulande bislang gab. Während seiner aktiven Sportler-Zeit erspielte Becker Preisgelder in Höhe von rund 25 Millionen Dollar. Dagegen stehen jedoch eine kostspielige Scheidung und einige Fehlschläge als Unternehmer (siehe Überblick).

cr

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