Dienstag, 09. Februar 2010, 18:57 Uhr
minus plus
23.11.2009

EADS-Insiderprozess

Riesenskandal oder Rohrkrepierer?

Sieben EADS-Topmanager müssen sich wegen Insiderhandels vor der französischen Börsenaufsicht AMF verantworten. Die Führungskräfte, unter ihnen Ex-Airbus-Chef Noël Forgeard, sollen Aktien und Optionen verkauft haben, bevor 2006 die Probleme des Airbus A380 bekannt wurden. Retten könnte die Verdächtigen ein McKinsey-Gutachten.

Paris - In der Affäre um mögliche Insidergeschäfte bei der Airbus-Mutter EADS Chart zeigen stehen Konzernmanager seit Montag der Pariser Finanzaufsicht AMF Rede und Antwort. 17 amtierende und ehemalige EADS-Führungskräfte wollen dabei den Verdacht entkräften, sie hätten mit Kenntnis der Verzögerungen beim Super-Airbus A380 frühzeitig Aktienoptionen zu Geld gemacht. Die Beschuldigten ziehen mit fast 50 Anwälten in die bis Freitag dauernde Anhörung. Ihnen drohen bis zu zwei Jahre Haft sowie Strafen in Millionenhöhe.

3,7 Millionen Euro Gewinn mit EADS-Aktienoptionen: Ex-Airbus-Chef Forgeard

3,7 Millionen Euro Gewinn mit EADS-Aktienoptionen: Ex-Airbus-Chef Forgeard

© AP
Im Kern geht es darum, wann die Airbus- und EADS-Manager wussten, dass das Programm des weltgrößten Verkehrsflugzeugs aus dem Ruder lief. Erste Verzögerungen waren seit 2005 bekannt. 2006 wurde zur Gewissheit, dass die Schwierigkeiten bei der Verkabelung der A380 in Hamburg zu groß waren, um die Zeitpläne einhalten zu können.

Als der Markt darüber informiert wurde, brach die EADS-Aktie am 14. Juni 2006 um fast 27 Prozent ein. Sie erholte sich von dem Schock bisher nicht wieder. Die A380-Probleme sind bis heute nicht gelöst. Die französische Finanzaufsicht AMF hatte ein Verfahren eingeleitet, weil eine ganze Reihe von Managern ihre Optionen schon vorher umgewandelt und dabei teils Millionengewinne erzielt hat.

In einem Zwischenbericht vom Juli hatten die Berichterstatter des AMF-Sanktionsausschusses die Vorwürfe des Insiderhandels nur noch gegen sieben der 17 Manager aufrecht erhalten. Sie alle hatten ihre Aktienoptionen erst im März 2006 umgewandelt. Laut dem Berichterstatter wussten die Manager dabei seit dem 17. Februar, dass es Verzögerungen beim A380 gibt. Der AMF-Sanktionsausschuss ist an die Meinung des Berichterstatters zwar nicht gebunden, dürfte sie aber berücksichtigen.

Zur Anhörung erschien am Montag deshalb auch der deutsche Airbus-Chef Thomas Enders, obwohl er zu der Gruppe von zehn Managern gehört, gegen die der Berichterstatter die Vorwürfe fallen ließ. Enders hatte seine Aktienoptionen schon im November 2005 zu Geld gemacht und dabei einen Gewinn von knapp 712.000 Euro erzielt - also vor dem mutmaßlichen Termin, ab dem die Manager von den Airbus-Verzögerungen Kenntnis hatten. Er zeigte sich gelassen, als er mit einem Motorrad-Taxi an der ehemaligen Pariser Börse zum Auftakt der Anhörungen ankam. Er sei mit Blick auf das Verfahren "absolut" zuversichtlich, sagte er.


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