Von Eva Buchhorn
Erfolgreich im Job, aber Single und kinderlos - weibliche Topmanager erleiden dieses Schicksal weit häufiger als ihre männlichen Kollegen, meint Businesscoach Christina Kuenzle. Schuld seien traditionelle Rollenbilder, so Kuenzle im Gespräch mit manager-magazin.de.
mm.de: Frau Kuenzle, Sie stellen eine wenig ermunternde Gleichung auf: Je erfolgreicher Frauen im Beruf seien, desto eher wachse die Gefahr privaten Unglücks. Wie kommen Sie zu dieser These?
Kuenzle: Ich berate seit vielen Jahren Karrierefrauen in der Schweiz und in Deutschland und stelle einfach fest: Karriere und Glück in der Liebe passen bei Frauen seltener zusammen. Irgendwann habe ich begonnen, Managerinnen systematisch auch nach ihrer privaten Situation zu fragen und sozusagen Statistik geführt. Das Ergebnis: Die Gruppe erfolgreicher Frauen wächst, aber immer weniger von diesen Damen bezeichnen ihre privaten Beziehungen als gut, wenn sie überhaupt in Beziehungen leben.
mm.de: Karrierefrauen haben keine Kinder, lautet ein Stereotyp.
Kuenzle: Das ist leider die Wahrheit. In meiner Untersuchung stieg die Anzahl der Frauen, die trotz Kinderwunschs kinderlos blieben, mit den Jahren. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Managerinnen, deren Beziehung in die Brüche ging und die keinen neuen Partner fanden. Es ist deutlich eine positive Korrelation festzustellen zwischen beruflichem Aufstieg und privatem Misserfolg. Hingegen waren 2008 fast alle meine männlichen Klienten verheiratet, die meisten hatten Kinder.
mm.de: Ertragen Männer keine erfolgreichen Frauen?
Managerinnen
Immer mehr Frauen erobern Spitzenpositionen in Deutschlands Unternehmen. Lesen Sie mehr im aktuellen manager magazin, Heft 11/2009, ab Seite 116.
mm.de: Aber es gibt doch auch viele Männer, die sich mit einer intelligenten Frau schmücken.
Kuenzle: Solange sie ihnen nicht in die Quere kommt. Ich will es einmal provokant formulieren: Warum gehen Männer (Frauen übrigens auch) ins Topmanagement, warum tun sie sich den ganzen Stress mit der Karriere an? Vielen dieser Menschen ist Anerkennung durch Dritte überaus wichtig. Im Beruf erhalten sie diese Anerkennung, weil sie Höchstleistungen erbringen. So können sie sich und der Welt ständig beweisen, was für tolle Hechte sie doch sind. Nicht wenige Manager und Managerinnen übertragen dieses Muster auch ins Privatleben. Dann gibt es Konflikte: Zwei Alphatiere in einer Ehe, das verträgt sich meiner Erfahrung nach selten gut. Also tun sich Männer lieber mit statusgeringeren Frauen zusammen, von denen sie mehr bewundert als gefordert werden.
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