Dienstag, 09. Februar 2010, 17:57 Uhr
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17.12.2008

Privatuni Witten/Herdecke

Die Pleite droht

Von Jochen Leffers und Christoph Titz

Völlig überraschend entzieht Nordrhein-Westfalen der Universität Witten/Herdecke den Landeszuschuss. Deutschlands größte Privathochschule muss sogar bereits erhaltenes Geld zurückzahlen. Insgesamt geht es um 7,5 Millionen Euro - der Mittelabfluss könnte der Uni den Todesstoß versetzen.

Hamburg - 31,1 Millionen Euro umfasste der Etat der privaten Universität Witten/Herdecke im Geschäftsjahr 2006/2007, davon steuerte das Land Nordrhein-Westfalen 14 Prozent bei. Nun allerdings hat das Wissenschaftsministerium völlig überraschend mitgeteilt, der Hochschule könne die Zuwendung von 4,5 Millionen Euro für das Jahr 2008 nicht ausgezahlt werden. Und damit nicht genug - für das Jahr 2007 fordert das Land sogar drei Millionen Euro zurück.

Uni Witten/Herdecke: Ungewisse Zukunft
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Uni Witten/Herdecke: Ungewisse Zukunft

Der Fall ist heikel und auf den ersten Blick schwer durchschaubar: Die Privatuniversität erfülle die "rechtlichen Voraussetzungen für die Gewährung von Landeszuwendungen nicht", teilte NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart am Mittwochmorgen mit. Sie habe keine "ordnungsgemäße Geschäftsführung" nachweisen und auch keinen "verlässlichen, testierten Wirtschaftsplan vorlegen können - weder für 2009 noch für die nächsten beiden Jahre". Zur Drei-Millionen-Rückforderung lautet die Stellungnahme des Wissenschaftsministeriums: "Die Hochschule musste einräumen, dass ihre Einnahmen in 2007 um diesen Betrag höher waren, als sie gegenüber dem Land zum Zeitpunkt der Zuwendungsgewährung geltend gemacht hatte."

Die Streichung der Fördermittel ist ein schwerer Schlag für Deutschlands älteste und größte Privatuniversität - so schwer, dass sie möglicherweise in die Pleite steuert. Denn die Hochschule ist seit Jahren angeschlagen und bemühte sich intensiv um neue Geldgeber. Doch gleich zweimal scheiterten in den letzten beiden Jahren Verhandlungen: zunächst mit dem privaten Klinik- und Fachhochschulbetreiber Stiftung Rehabilitation Heidelberg (SRH) vor einigen Monaten dann mit der Unternehmensberatung Droege International.

Trennung von Geldgeber mit Getöse

Zwölf Millionen Euro, über sieben Jahre verteilt, wollte Droege bereitstellen, beendete das Engagement in Witten aber nach anhaltenden Auseinandersetzungen mit der Hochschule. Insbesondere einen aktuellen, soliden Finanz- und Businessplan hatte das Unternehmen angemahnt und sah dann keine Basis mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Umgekehrt hatte der Uni-Vizepräsident Maxim Nohroudi der Firma vorgeworfen, "ein Take-over, eine klassische Übernahme" zu planen.

Der Hochschule sei es jedenfalls nicht gelungen, aus Verhandlungen mit diesen Partnern "eine dauerhafte strategische Partnerschaft zu entwickeln", so Pinkwart. Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE wird ein Sprecher des Ministeriums deutlicher: Allein im Jahr 2008 habe man die Hochschule "18-mal aufgefordert", belastbare, testierte Finanzpläne vorzulegen, sagte Ralf-Michael Weimar. Dem sei die Hochschule nicht nachgekommen. "Die Hochschule hat dargelegt, dass sie mit Liquiditätsengpässen rechnet und nicht sicher ist, ob sie dauerhaft den Betrieb aufrechterhalten kann."

Auch die drei Millionen Euro Fördersumme des Jahres 2007 habe das Ministerium zurückfordern müssen. Erst im Nachhinein sei bekannt geworden, dass die Hochschule über mehr Mittel verfügt habe, als sie im Finanzplan für 2007 angegeben habe. "Die Geschäftsführung arbeitet nicht mehr ordnungsgemäß", so Weimar. "Wir müssen mit Steuergeldern verantwortlich umgehen und dürfen daher kein Geld mehr an die Hochschule überweisen." Seit Mitte der neunziger Jahre habe das Land immer wieder Defizite der Hochschule ausgeglichen.

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