Dienstag, 09. Februar 2010, 19:51 Uhr
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07.04.2008

manager-lounge

Mitarbeiter in geheimer Mission

Von Karolin Köcher

Die Verräter sind unter uns: als Mitarbeiter getarnte Schnüffler, vermeintliche Kunden, falsche Geschäftspartner oder augenscheinlich arglose Praktikanten. Besonders mittelständische Unternehmen ignorieren die Gefahr. "Ein fataler Fehler", warnt Verfassungsschützer Peter Giebler vor Mitgliedern der manager-lounge.

Berlin - Der Gärtner stutzte, als er im Vorgarten eines unscheinbaren Flachdachbaus in einem Gewerbegebiet mit seinem Spaten auf eine seltsame kleine Plastikkiste stieß. Aus der Kiste führte eine Leitung direkt in das Gebäude, in dem eine kleine IT-Firma ansässig war. Man entdeckte, dass sensible Firmendaten abgeflossen waren, aber nicht, wohin und an wen.

Spione in Unternehmen: Der Schaden für die deutsche Wirtschaft wird auf jährlich 20 Milliarden Euro geschätzt
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Spione in Unternehmen:
Der Schaden für die deutsche Wirtschaft wird auf jährlich 20 Milliarden Euro geschätzt

© DDP
Peter Giebler erzählt die Geschichte mit einem Schmunzeln. Er weiß, dass viele Unternehmer sich einen gezielten Spionageangriff auf die eigene Firma nicht vorstellen können. Dass der Konkurrent am Ende der Straße einen Blick aufs eigene Angebot wirft oder schon mal einen Boten ausschickt, um zu erfahren, mit welchen Aktionen der Mitbewerber aktuell wirbt, mag ja noch angehen, aber Ziel eines Spionageangriffs in fremdem Staatsauftrag zu sein, erscheint vielen geradezu absurd.

Doch genau da liegt die Gefahr. "Spione erwischen Sie ahnungs- und vollkommen schutzlos." Viele Unternehmen wissen nicht, dass der Verfassungsschutz auf Bundes- oder Landesebene konkrete Hilfestellung anbietet. "Nicht nur Konzerne aus der Forschungs- oder Rüstungsindustrie sind für von ausländischen Geheimdiensten beauftragte Spione interessant, sondern auch der kleine Zweimannbetrieb kann Ziel von Bespitzelungsaktionen sein", sagt Giebler, der seit einigen Jahren beim Innenministerium Brandenburg die Tricks und Kniffe der Handlanger aufdeckt. "Vielleicht ist ja gerade das Produkt oder ein Verfahren dieses Betriebs interessant."

Know-how ist für Deutschland der alles entscheidende Rohstoff, deshalb steht die Bundesrepublik auf der Liste der begehrten Spionageziele ganz weit oben. Deutschland professionalisiert sich in der Spionageabwehr, während die Rückverfolgung derartiger Angriffe oftmals weit schwieriger ist. "Wir können im Regelfall nur tätig werden, wenn Unternehmen auf uns zukommen. Unser Ziel ist es, Unternehmen zu sensibilisieren, sich selbst von innen her zu schützen."

Einige Länder, allen voran Russland und China, betreiben Wirtschaftsspionage ganz offen. Giebler: "Für den russischen Auslandsnachrichtendienst ist Wirtschaftsspionage als gesetzlicher Auftrag sogar vorgegeben." Das Ziel sei, die eigene Wirtschaft voranzutreiben. Die deutschen Nachrichtendienste seien hingegen nicht befugt, Wirtschaftsinformationen aus anderen Ländern zum eigenen Vorteil zu beschaffen.

"Wir brauchen Ihre Mithilfe", mahnt Giebler: "Wir können Sie informieren, sensibilisieren und konkrete Hilfestellung anbieten. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass viele Unternehmen Scheu haben, sich bei uns zu melden, weil sie Imageschaden, Unannehmlichkeiten oder Produktionsverzögerungen befürchten. Da können wir Sie beruhigen und Ihnen absolute Verschwiegenheit zusichern."

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