Dienstag, 09. Februar 2010, 17:18 Uhr
minus plus
27.11.2007

WM-Ticketaffäre

Kampf für Claassen

Im Prozess gegen Utz Claassen hat die Verteidigung des Ex-EnBW-Chefs die Staatsanwaltschaft scharf angegriffen. Das Anklagekonstrukt sei "aberwitzig", die Forderung einer Geldstrafe von 450.000 Euro maßlos. "Unser Mandant ist in allen Anklagepunkten freizusprechen", forderte Claassen-Anwalt Steffen Stern.

Karlsruhe - Im Korruptionsprozess gegen Ex-EnBW-Chef Utz Claassen hat die Verteidigung einen Freispruch für den Angeklagten gefordert. In dem Verfahren um die sogenannte WM-Ticketaffäre sagte Rechtsanwalt Steffen Stern am Dienstag vor dem Landgericht Karlsruhe, Claassen habe sich nichts zuschulden kommen lassen. "Unser Mandant ist in allen Anklagepunkten ohne Wenn und Aber freizusprechen", forderte Stern.

Plädieren auf unschuldig: Claassen und seiner Anwälte
Zur Großbildansicht

Plädieren auf unschuldig: Claassen und seiner Anwälte

© DPA
Die Verteidigung griff zugleich die Staatsanwaltschaft scharf an und nannte deren Argumentation "aberwitzig". Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe in Höhe von 450.000 Euro gefordert. Claassen habe sich in sieben Fällen der Vorteilsgewährung schuldig gemacht.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft schickte der damalige Chef des Energiekonzerns EnBW Chart zeigen Ende Dezember 2005 an sieben hochrangige Politiker per Weihnachtspost Ticketgutscheine für ein Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, um die Amtsträger in dienstlichen Angelegenheiten zu beeinflussen. Die Anklage sprach von einer verbotenen "Klimapflege". Die Gutscheine hätten "rein rechnerisch" einen Wert von jeweils etwas mehr als 2000 Euro gehabt.

7 Bilder WM-Ticketaffäre: Die Beteiligten im Prozess

Klicken Sie auf ein Bild, um die Fotostrecke zu starten.

Die Empfänger der Gutscheine waren Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU), der baden-württembergische Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP), vier weitere Landesminister und der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Matthias Machnig (SPD).

Anwalt Stern beharrte darauf, dass die Einladungen Teil des EnBW-Engagements als offizieller WM-Sponsor gewesen seien. "Das Engagement von Unternehmen in Public-Private-Partnership droht angesichts solcher Ermittlungen zum Wagnis zu werden", sagte Stern. Sein Kollege Götz von Fromberg sagte, Großereignisse wie die Fußball-WM seien ohne Unterstützung der Wirtschaft nicht mehr durchführbar: "Das Sponsoring in Deutschland darf nicht an den Pranger gestellt werden."

Der Dritte in der Verteidigerriege, Klaus Menge, wiederholte Claassens Version, die Machnig-Einladung sei ein Versehen gewesen, das bei der hektischen Kartenaktion kurz vor Weihnachten passiert sei. Schon deshalb müsse im Zweifel für den Angeklagten entschieden werden.

Auch Claassen beteuerte in seinem Schlusswort erneut seine Unschuld. "Niemand wollte mit der Weihnachtskartenaktion 2005 etwas Unrechtes tun", sagte er. Der 44-jährige Angeklagte betonte zudem, dass Machnig "versehentlich" mit einem Ticketgutschein bedacht worden sei.

Für den Fall, dass das Gericht nicht freisprechen will, stellten die Verteidiger vorsorglich acht Beweisanträge, nach denen unter anderem Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der frühere Bundesinnenminister Otto Schily und Bundesumweltminister Sigmar Gabriel vernommen werden sollen. Das Urteil wird am 28. November erwartet.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ddp

© manager-magazin.de 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

ANZEIGE

Placement24

Placement24Ihr direkter Draht zu 3241 Headhunter-Firmen
Die Partner von Placement24 besetzen mehr
als 30.000 Premium-Jobs p.a. ab 60.000 Euro.
Kostenfrei Profil hinterlegen.

Gehaltsbenchmark:

Net-Q: Das Netquiz

Gewinnen Sie mit Net-Q
eine viertägige Reise nach Garmisch-Partenkirchen inklusive Mietwagen

Frage 1 vom 9. Februar
Wie hieß der Gründer der Steigenberger Hotelgruppe?

  • Egon Steigenberger
  • Albert Steigenberger
  • Petrus Steigenberger

Aktuelle Videos

Video abspielen...
Video abspielen... Großen Videoplayer öffnen...(Flash Player 8 erforderlich)
 
© Foto: DDP
Service
manager-magazin-Abonnement Abo-Service manager magazin mobil mm mobil Twitter-Feeds Twitter-Feeds
Angebote von A bis Z Angebote von A-Z SPIEGEL-Gruppe - Nachdruckrechte und Lizenzen Nachdrucke Währungsrechner Währungsrechner
Ihr persönliches Depot Depot Newsletter-Abo: managerupdate Newsletter-Abo Werbung buchen Werbung buchen
E-Mail E-Mail RSS RSS-Newsfeed Info: Wir über uns Wir über uns
Kurse Kurse Der Shop von manager magazin und Harvard Business Manager Shop manager-magazin.de als Startseite einrichten mm.de als Startseite
Partnerangebote
Analysieren Sie online Ihren Standort im Vergleich zu den Besten mit CONTOR-REGIOContor-Regio: Analysieren Sie online Ihren Standort
Über 1000 Headhunter-Firmen: Kostenlos Profil hinterlegen 3241 Headhunter-Firmen: Jetzt Profil anlegen
Seminarmarkt: Tanken Sie KarrierewissenSeminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen
Handytarife: Finden Sie den passenden TarifHandytarife: Finden Sie den passenden Tarif
Medführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre KlinikMedführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre Klinik
imedo Arztsuche: Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Apothekenimedo: Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker, Apotheken