Ende vergangener Woche wurden gigantische Fehlbilanzierungen beim US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae bekannt, nun müssen die ersten Verantwortlichen gehen: Der Verwaltungsrat schasste den Chef und den Finanzvorstand des Unternehmens.
New York - Die Beanstandung der Bilanzen des größten amerikanischen Immobilienfinanzierers Fannie Mae durch die US-Wertpapieraufsichtsbehörde SEC hat nun auch personelle Konsequenzen.
Der Verwaltungsrat des Unternehmens entließ Konzernchef Franklin Raines und Finanzchef Timothy Howard am Dienstagabend. Mit diesen Schritten wolle der Verwaltungsrat die Fortführung der wichtigen Aufgabe des Unternehmens auf eine solide Art und Weise sicherstellen, sagte das Mitglied des Verwaltungsrates Ann Korologos.
Die SEC hatte Fannie Mae in der vergangenen Woche angewiesen, die Jahresabschlüsse seit 2001 zu revidieren. Bemängelt wurden die verwendeten Bilanzierungspraktiken für Geschäfte mit Derivaten. Damit könnten rückwirkende Verluste von neun Milliarden Dollar (6,7 Milliarden Euro) bei dem Immobilienfinanzierer anfallen.
Kapitaldecke zu dünn?
Franklin Raines, einst Haushaltsdirektor des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, hatte die Bilanzierungsmethode bis zuletzt verteidigt. Das Unternehmen habe sich nichts zu Schulden kommen lassen, sagte Raines am Dienstagabend. Bei einer Anhörung im Kongress im Oktober hatte er erklärt, er werde die Konsequenzen ziehen, falls sich die Bilanzierungsmethode als falsch erweisen sollten.
Aufsicht begrüßt Entlassungen
OFHEO-Director Armando Falcon Jr. begrüßte die Entlassung der beiden Mitglieder des Verwaltungsrates. Dieser Schritt signalisiere "eine neue Kultur und eine neue Richtung bei Fannie Mae".
Die Doppelfunktion von Raines als Verwaltungsrats- und Konzernchef wird nun aufgeteilt. Der bisherige Fannie-Mae-Direktor Stephen Ashley übernimmt die Position des Verwaltungsratschefs und der bisherige Hauptgeschäftsführer Daniel Mudd wird kommissarischer Konzernchef. Vize-Präsident Robert Levin ersetzt bis auf weiteres Finanzchef Howard.
Der US-Kongress hatte einst die Gründung von Fannie Mae beschlossen, um Bürgern mit geringem oder mittlerem Einkommen den Kauf eines eigenen Hauses zu ermöglichen. Für das kommende Jahr sind nun zwei Anhörungen vor Kongressausschüssen geplant, um gegebenenfalls die Aufsichtsregeln für Fannie Mae zu verschärfen.
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