Dienstag, 09. Februar 2010, 19:12 Uhr
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16.12.2004

Kjell Nordström

Der König der Einzeiler

Von Klaus Werle

Er trägt bevorzugt schwarze Lederjacken, seine Vorträge nennt er "Gigs", und Unternehmen rät er, sich den Pfau zum Vorbild zu wählen. Der schwedische Managementvordenker Kjell Nordström ist etwas aus der Art geschlagen - und höchst erfolgreich damit.

"It is better to fail in originality than to succeed in imitation." (Hermann Melville)

Hamburg - Der beste Rapper der Welt ist weiß. Der beste Golfer der Welt ist schwarz. Frankreich beschuldigt die USA der Arroganz. Und Dänemark schickt ein Mini-U-Boot in einen Wüstenkrieg. Die Welt ist verrückt, und Kjell Nordström findet das prima.

  Ein Leben als Pfau:   Kjell Nordström
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Ein Leben als Pfau:
Kjell Nordström

© Tonia Ackermann
Nordströms Bücher und Vorträge strotzen von solch skurrilen Fakten. Sie lassen die Zuhörer die Köpfe schütteln. Und natürlich ist Kopfschütteln genau das, was ein Experte braucht, bevor er anfangen kann, die Welt zu erklären. Auch Nordström braucht das. Der Unterschied ist nur: Wenn seine Vorträge zu Ende sind, fängt das Kopfschütteln erst richtig an.

Trotzdem ist der 46 Jahre alte Kjell Nordström einer der gefragtesten Wirtschaftsexperten der Welt. Er ist Bestsellerautor, Unternehmensberater und lehrt am Institute for International Business der Stockholm School of Economics. Sein Buch "Funky Business" (zusammen mit Jonas Ridderstråle) verkaufte sich mehr als 250.000 mal und wurde in 35 Sprachen übersetzt. Das im Frühjahr 2004 erschienene "Karaoke Capitalism" (mit dem bescheidenen Untertitel "Management for Mankind") ist ähnlich gut gestartet. Er hat Ericsson und Volvo beraten und war im "Time Magazin", in "Fortune" und auf CNN. Die "Financial Times" kürte ihn zum "Management-Guru des E-Age". Gerade wurde er auf www.thinkers50.com zur Nummer 17 der 50 einflussreichsten Wirtschaftsdenker gewählt.

Dabei wollte den hippen Akademiker aus Stockholm lange Zeit niemand so recht für voll nehmen. Wirtschaftsweise, das waren Männer in grauen Zweireihern, die dröge Zahlenkolonnen ablasen. Eine Szene, in der Powerpoint das Äußerste war, das man sich an Innovation gönnte. Nordström, nach dem sich selbst in seinem Stockholmer Stammlokal die Leute erstaunt umdrehen, weil er vorzugsweise in schwarzer Lederhose und Motorradjacke auftritt, den großen Kopf kahlgeschoren, wurde als das "enfant terrible unter den Wissenschaftlern" ("Personalmanager") bezeichnet, als "Hofnarr der New Economy" ("Handelsblatt").

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Damit hat man ihm einen Riesengefallen getan. Nordströms aktuelle Lieblingsthese geht nämlich so: Lange Zeit reichte es, wenn Unternehmen Produkte und Ideen kopierten. Manager nennen das "Benchmarking" und "Best practice". Nordström nennt es "Karaoke Capitalism". In der neuen, unübersichtlichen und mit Informationen überladenen Welt aber hat sich der Kunde die Macht zurückerobert. Dieser Kunde will entweder das Billigste - wie Wal-Mart - oder etwas Besonderes wie Apple oder BMW. Nur zu imitieren führt Unternehmen in die "kreative Impotenz". In dieser "economy of soul" ist das Originelle, Außergewöhnliche gefragt, Produkte, die die Emotionen des Kunden ansprechen, als Marke aus der Masse herausstechen, Individualität versprechen.

Und genau das bietet Kjell Nordström. Sein Hip-Hop-Outfit, seine frechen Thesen, die Attitude des Berufsprovokateurs haben ihn aus der Menge der Fredmund Maliks und Peter Druckers dieser Welt katapultiert. Nordström ist zur Marke geworden. Zum Guru. Eine grandiose Marketingleistung und der Beweis einer These am Urheber selbst: Nordström ist die perfekte Inszenierung eines Wirtschaftsvordenkers im 21. Jahrhundert.

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