Montag, 11. Dezember 2017

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Forderung der Staatsanwälte Anton Schlecker soll drei Jahre ins Gefängnis

Anton Schlecker: Hat er vor der Insolvenz Millionen beiseite geschafft?

Ex-Drogeriemarktkönig Anton Schlecker soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für drei Jahre ins Gefängnis. Diese Strafe beantragten die Vertreter der Anklage im Bankrottprozess gegen den 73-Jährigen am Montag in ihrem Plädoyer am Landgericht Stuttgart. Für Schleckers Sohn Lars beantragten sie zwei Jahre und zehn Monate Haft, für Tochter Maike zwei Jahre und acht Monate.

Aus ihrer Sicht hat Schlecker vor der Insolvenz der einst größten Drogeriemarktkette Europas mehrere Millionen Euro beiseite geschafft und damit dem Zugriff der Gläubiger entzogen. Außerdem soll Schlecker jahrelang überhöhte Stundensätze an die Logistik-Tochterfirma LDG gezahlt und damit ebenfalls einen Millionenschaden verursacht haben.

Insgesamt gehen die Staatsanwälte von einer Schadenssumme von gut 16 Millionen Euro aus. Sie hatten am Vormittag in einem langen Vortrag zusammengefasst, welche Beweise gegen Schlecker das Anfang März begonnene Verfahren nach ihrer Auffassung ans Licht brachte. Anschließend sollten die Verteidiger von Schlecker und dessen mitangeklagten Kindern das Wort erhalten.

Knackpunkt in dem Prozess ist die Frage, wann Anton Schlecker hätte wissen müssen, dass sein Imperium zahlungsunfähig ist - denn von da an hätte er keinen Cent mehr daraus abziehen dürfen. Weil auch die Staatsanwaltschaft mittlerweile von einem späteren Zeitpunkt ausgeht als demjenigen, der in der Anklage zunächst genannt war, verringerte sich auch der Umfang der Vorwürfe und der damit verbundene Schaden.

Europas ehemals größte Drogeriekette hatte im Januar 2012 Insolvenz angemeldet. Mehr als 25.000 Menschen in Deutschland und etwa genau so viele im Ausland verloren ihren Arbeitsplatz. Vor gut einer Woche hatten Schlecker und seine Kinder noch einmal vier Millionen Euro an den Insolvenzverwalter gezahlt, die in die Insolvenzmasse fließen. Insgesamt haben die Gläubiger früheren Angaben zufolge mehr als eine Milliarde Euro an Forderungen angemeldet.

mg/dpa-afx

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