Sonntag, 17. Dezember 2017

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Anthony Levandowski gründet Religion der Roboter Dieser Ex-Google-Star vergöttert Maschinen - im Wortsinn

Anthony Levandowski, noch als Uber-Manager, im Dezember 2016

Anthony Levandowski ist derzeit vor allem vor Gericht gefragt. Der im Sommer geschasste Leiter des Roboterauto-Programms von Uber steht im Mittelpunkt einer Klage seines früheren Arbeitgebers Google Börsen-Chart zeigen um geklautes Know-how.

Levandowski entwickelte erst Google Street View und dann die selbstfahrenden Autos des Konzerns maßgeblich mit, übertrug die Lasersensoren-Technik mit seinem Startup Otto später auf Lastwagen und brachte sie - weniger erfolgreich - bei Uber ein. Auch in dem von Google-Mitgründer Sergey Brin persönlich finanzierten Taxidrohnen-Projekt Kitty Hawk war er involviert.

Eine neue geschäftliche Führungsrolle zeichnet sich vorerst nicht ab. Aber seinen Ruf als schillernde Figur im Silicon Valley könnte Levandowski doch zu einer größeren Rolle nutzen: als Religionsstifter. Wie "Wired" in einem Porträt des Managers berichtet, hat Levandowski in Kalifornien offiziell eine Glaubensgemeinschaft namens "Way of the Future" registrieren lassen.

Vor dem Hintergrund der in den USA weit ausgelegten Religionsfreiheit, die auch Spaßvereine zu steuerbegünstigten Kirchen erhebt, könnte man das als Scherz abtun.

"Wir werden die Welt übernehmen, Roboter für Roboter"

Doch Levandowski vertritt sehr ernsthaft die Gegenposition zu Tesla-Chef Elon Musk, der wortreich vor Künstlicher Intelligenz als "fundamentale Bedrohung der Existenz menschlicher Zivilisation" warnt.

Die Aussicht auf die Singularität - die Zeit also, wenn die Künstliche Intelligenz der menschlichen überlegen ist und Maschinen selbst die Pläne übernehmen - hält Levandowski nicht nur für harmlos wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg, sondern im Gegenteil für erstrebenswert.

Als Anliegen von "Way of the Future" hat er angegeben, "die Verwirklichung einer Gottheit auf der Basis Künstlicher Intelligenz zu entwickeln und zu verbreiten" sowie "durch das Verständnis und die Anbetung der Gottheit zur Verbesserung der Gesellschaft beizutragen".

So, wie es sein deutscher Wegbegleiter Sebastian Thrun vor Jahren im mm-Interview darlegte: "Menschen machen Fehler." Maschinen nicht, und sie können Menschen helfen, zum Beispiel indem sie Verkehrsunfälle aus Unachtsamkeit ausschließen. Allen Rückschlägen zum Trotz ist Levandowski zuversichtlich, was das Jüngste Gericht angeht: "Wir werden die Welt übernehmen, Roboter für Roboter."

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