Sonntag, 19. November 2017

Von Goldman Sachs zur AfD-Spitze Was AfD-Frontfrau Alice Weidel mit wirtschaftsliberal meint

Alice Weidel: Die Positionen der AfD-Spitzenkandidatin
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Getty Images

Die Personalwirren der Rechtspartei AfD treiben manchmal skurrile Blüten. Als Landeschefin in Baden-Württemberg ist die Unternehmensberaterin Alice Weidel, 38 und zweifache Mutter in lesbischer Lebenspartnerschaft, also qua Lebenslauf schon in mehrfachem Widerspruch zum Selbst- und Fremdbild der Truppe, an Ralf Özkara gescheitert - seinerseits verheiratet mit einer muslimischen Unternehmerin, deren türkischen Familiennamen er angenommen hat.

"Du hast mich abgeschossen", giftete sie gegen Parteichef Jörg Meuthen, der als Vertreter des wirtschaftsliberalen Professorenflügels gestartet und in parteiinternen Rechtsaußen-Allianzen gelandet war.

Doch das war im März. Jetzt ist April, und Alice Weidel hat den Olymp der Bundespartei erklommen: die Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl im Duo mit dem knorrigen Nationalkonservativen Alexander Gauland, als junges Gesicht für die "liberalkonservative Mitte".

"Wirtschaftlicher Sachverstand ist bei der AfD zu Hause", reklamiert die Volks- und Betriebswirtin vom Bodensee, die über Chinas Rentensystem promovierte, sechs Jahre in China lebte, nach dem Studium bei der Investmentbank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigenbegann, ins Vorstandsbüro von Allianz Global Investors weiterzog und heute Start-ups beim Wachstum berät. Oliver Samwers Firmenschmiede Rocket Internet Börsen-Chart zeigen zählt zu ihren Stationen.

Laut "Zeit" wählte Weidel früher die Grünen und die FDP, wandte sich aber nach dem Ausbleiben der großen Steuerreform von Schwarz-Gelb ab und fand ihre politische Heimat erst in der AfD, die damals als Anti-Euro-Partei unter Volkswirten wie Bernd Lucke und Ex-BDI-Chef Hans Olaf Henkel antrat. Ihr Doktorvater, der inzwischen verstorbene Bayreuther Gesundheitsökonom Peter Oberender, zählte ebenfalls zu den Unterstützern.

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Passt irgend etwas nicht zusammen? Hat Weidel sich verirrt, der AfD in ihrem strammen Rechtskurs die Treue zu halten, während ihre Vorbilder von Bord gingen?

Tatsächlich kam sie erst in den Bundesvorstand, als Lucke im Streit mit der inzwischen ebenfalls demontierten Frauke Petry austrat. Luckes Abgang kommentierte sie als "Reflexreaktion eines Verlierers". Sie besetzt einerseits die Rolle als Flügelfrau mit dem Vorsitz des Bundesfachausschusses Euro und Währung, beruft sich auf Institutionen wie die arbeitgeberfinanzierte Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die sich oft kaum gegen die Vereinnahmung durch die AfD zu wehren vermögen.

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