Sonntag, 19. November 2017

Von Goldman Sachs zur AfD-Spitze Was AfD-Frontfrau Alice Weidel mit wirtschaftsliberal meint

Alice Weidel: Die Positionen der AfD-Spitzenkandidatin
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2. Teil: Tausende Flüchtlinge gerettet - Weidel sieht "Verblödung"

Andererseits passt auch kein Blatt Papier zwischen Alice Weidels Positionen und den Rest der Partei. Als zeitweise Leiterin der Bundesprogrammdiskussion verantwortet sie auch das Gesamtergebnis - mögen ihr manche Beschlüsse zur Familien- oder Hochschulpolitik auch missfallen. Auch ihre Auftritte werden von den Themen Asyl und Islam dominiert.

Auf ihrer Facebook-Seite postet Weidel eine Meldung über die Rettung tausender Flüchtlinge aus Seenot im Mittelmeer während der Ostertage mit dem Kommentar "grenzenlose Verblödung". Über die Deutschtürken zum Erdogan-Referendum: "Darum sollte die fünfte Kolonne dahin gehen, wo es ihr offensichtlich am besten gefällt und wo sie auch hingehört. In die Türkei."

Hinter wirtschaftsliberalen Phrasen verbergen sich oft deutschnationale Gedanken. Stets achtet Weidel darauf, ihre Kritik an Euro, EZB, Steuerpolitik oder der Lage der Sozialversicherungen aus nationalistischen Interessen der AfD-Klientel herzuleiten.

Die dürfe nicht "noch mit ihren Steuergeldern einem Millionenheer von ungebildeten Migranten aus dem Nahen Osten und Afrika eine Rundumsorglos-Vollversorgung finanzieren", von der EZB zugunsten "maroder Südländer enteignet" und mit "verblödetem Toleranzgeschwätz ausverkauft" werden. Die an anderen kritisierte völkische Schlagrichtung mildert sie mit feinerer Formulierung ab: Brüssel betreibe die "Einschmelzung der europäischen Völker".

Während Weidel der EZB, die Unternehmensanleihen kauft, "Planwirtschaft" und den "Weg in eine Wirtschaftsdiktatur" vorwirft, wäre ihr eine nationale Einflussnahme auf Unternehmen durchaus willkommen - jedenfalls beklagt sie, der Bund lasse zu, dass die meisten Aktien deutscher Konzerne nun in ausländischer Hand sind. "Man wird kaum noch innenpolitischen Einfluss auf die Unternehmen ausüben können."

Die Nation zuerst, heißt die Devise. Auch einem Konzern wie Volkswagen Börsen-Chart zeigen müsse die Regierung im von den USA aufgedeckten Abgasskandal den Rücken stärken - "in der Euro- und Asyl-Krise nötiger denn je".

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Koalitionsfähig werde ihre Partei "frühestens 2021", räumt Weidel ein. Für sie ist das politische Projekt aber langfristig, zur Rettung Deutschlands als schlanker Staat, der nur für sich selbst verantwortlichen Individuen einen klaren Rechtsrahmen vorgibt und jeden Verstoß ahndet. Jede Missachtung führt aus ihrer Sicht direkt in den Untergang.

Disziplin ist ihr Leitthema. Und das bedeutet auch innerparteilichen Zusammenhalt um jeden Preis.

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