Von Andreas Neef und Willi Schroll
Aus vielen kleinen Beiträgen entsteht ein großes Netzwerk. Nutzer verwenden MySpace zur Selbstdarstellung, tauschen sich in Foren aus oder lesen Restaurantkritiken im Internet. Das Produktwissen wird größer - und damit die Macht der Verbraucher. Web 2.0 ist vor allem eins: Eine Revolution in den Köpfen.
Die Online-Enzyklopädie Wikipedia, deren kumulierter Wissensbestand zu 100 Prozent auf User-Beiträgen basiert, kennt keinen passenden Eintrag für das Konzept "Microwork". Das ist überraschend, denn der Erfolg dieses Vorzeigeprojekts wie auch zahlloser anderer Web 2.0-Services beruht auf dem Microwork-Prinzip.
Nutzergenerierte Inhalte in kleinen und kleinsten Dosierungen - seien es Texte, Bilder oder Videoclips - sind der Rohstoff, der diese Websites in Gravitationszentren des Netzes verwandelt. Social Bookmarking bei del.icio.us, News-Selektion bei Digg.com oder das Schreiben von Gastronomie-Kritiken beim deutschen qype.de - ohne die User gibt es keinen Content, ohne Content keinen Nutzen für die User.
Kurz: Die Attraktivität vieler Web 2.0-Services gründet auf einer millionenfachen Addition homöopathischer Dosen, die erst in der Masse ihr Momentum entfalten. Eben das ist Microwork: Viele kleine Beiträge ergeben ein großes Ganzes. Wenn das "Perpetuum Mobile" eines solchen userbasierten Services erst einmal angeschoben ist, dann wird er buchstäblich zum Selbstläufer. Was nach Magie klingt, nennen Ökonomen nüchtern den Netzwerkeffekt: Mit jedem neuen Nutzer steigt der Wert des Produktes. Und da der User in so hohem Maße vom Netzwerkeffekt profitiert und "in eigener Sache" unterwegs ist, gibt er auch gerne etwas in die Community zurück.
Ende der Umsonst-Mentalität
Zurzeit funktioniert Microwork meist nach den Prinzipien der "Gift Economy": Alle schenken allen alles. Spätestens seit jedoch Marktmächte wie AOL versuchen, auf den Web 2.0-Zug aufzuspringen und dabei nach den einfachen Regeln von Angebot und Nachfrage vorgehen, wird sich die produktive Community ihrer Stellung in der Wertschöpfung bewusst. Weblogs Inc. (AOL) versucht derzeit, die fleißigsten Aktiv-User von userbasierten Sites wie Digg.com abzuwerben - mit "Cash for Digging" - das erste starke Signal dafür, dass in Zukunft neben die "Freude am Geben" der Motivator Geld treten wird.
Das Wort Crowdsourcing suggeriert dabei, dass es sich hier um eine neue Art von Outsourcing handeln könnte. Damit wäre Web 2.0 in der Tat zum Politikum geworden - denn welcher wirtschaftliche Akteur könnte es sich leisten, einen solchen Trend zu ignorieren?
Sollte die vernetzte "Crowd" sich tatsächlich zur Quelle von Wertschöpfung mausern und sukzessive mit etablierten Marktteilnehmern in Konkurrenz treten, dann würde hier viel mehr passieren als die "Verbesserung des Web". Gehversuche in Sachen Crowdsourcing finden momentan beispielsweise bei Amazon
statt - dort werden für ein weltweites Publikum sogenannte "HITs" angeboten - Human Intelligence Tasks, d.h. Aufgaben, die derzeit nur von menschlichen Hirnen bewältigt werden können. Das Geschäftsmodell lässt sich als schlüssige Variante des Grid Computing betrachten - nicht Prozessor-Power, sondern Gehirnschmalz ist dabei das weltweit handelbare Gut.
Web 2.0: Die Mitmach-Plattformen des Gemeinschafts-Netzes
|
Solche "Marktplätze für Wissen" sind keineswegs neu - durch den Web 2.0-Enthusiasmus bekommen sie jedoch einen neuen Schub. So haben einige der Workforce-Plattformen wie Elance.com oder smarterwork.com den Dot.com-Crash überlebt und profitieren nun von dem gewachsenen Interesse. Crowdsourcing funktioniert dabei auch in Größenordnungen, die deutlich über "Microwork" hinausgehen. So hat etwa der Pharma-Konzern Eli Lilly bereits 2001 InnoCentive gegründet - mit dem Ziel, eine Plattform für höchst anspruchsvolle Aufgaben in Forschung und Entwicklung bereit zu stellen. Die Lösung der auf InnoCentive ausgeschriebenen "Challenges" erbringt bis zu 100.000 Dollar und liefert Forschern und talentierten Laien einen passablen Nebenverdienst.
Mobiles Wirtschaftsangebot: Verpassen Sie auch unterwegs keine Nachrichten und Börsenkurse.
Strategie: So haben grüne Geschäftsmodelle Erfolg
| Service | ||
|---|---|---|
Depot |
||