Samstag, 27. August 2016

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Geldanlage So verteidigen Sie ihren Bausparzins

Bausparen: Wer über einen alten Vertrag mit hohen Sparzinsen verfügt, macht mit einem neuen Vertrag und vermeintlich niedrigeren Darlehenszinsen zumeist ein schlechtes Geschäft

Die hohen Sparzinsen eines alten Bausparvertrags sind ein wahrer Schatz - und ein Problem für die Anbieter. Experte Niels Nauhauser sagt, mit welchen Tricks die Bausparkassen die Kunden aus diesen Verträgen zu drängen versuchen und wie der Verbraucher reagieren sollte.

mm: Herr Nauhauser, wir schauen nach Sachsen. Da kommen ABC-Schützen mit einem 25-Euro-Gutschein der Sparkasse im Ranzen nach Hause - einzulösen bei Abschluss etwa eines Bausparvertrags. Eine gute Idee?

Nauhauser: Natürlich haben die Sparkassen nichts zu verschenken. Mit dem Gutschein wollen sie neue Kunden gewinnen. Wenn dann ein Bausparvertrag mit 100 Euro Abschlussgebühr verkauft wird, hat sich der Gutschein schon gelohnt, zumindest aus Sicht der Sparkasse. Für die Eltern ist das eine Chance, mit ihren Kindern über Geld zu sprechen und darüber, was Banken mit dem Geld anfangen und aus welchen Gründen sie solche "Geschenke" verteilen.

mm: Also alles nur Mogelpackungen?

Nauhauser: Nein, hinter den speziellen Angeboten für Kinder müssen nicht immer schlechte Produkte oder Mogelpackungen stecken. So bieten einige Banksparpläne für Kinder gute Zinsen und bei guten Noten gibt es sogar noch was extra. Ein Bausparvertrag ist aber in der Regel für Kinder vollkommen ungeeignet, weil diese keinen Darlehensbedarf haben und weil die Rendite wegen der Abschlussgebühr auf viele Jahre hinweg negativ ist.

mm: Bausparverträge verkaufen sich wie geschnitten Brot. Die Branche setzte im ersten Halbjahr 25 Prozent mehr Verträge ab. Dabei liegen die Sparzinsen oft unter einem Prozent. Was spricht heute noch für einen Bausparvertrag?

Nauhauser: Bei den meisten neuen Tarifen erzielen Sparer bis zur Zuteilung weniger Zinsen als sie zu Beginn für die Abschlussgebühr bezahlt haben. Eine negative Rendite ist also wie gesagt programmiert. Dafür stehen die Zinsen für das Bauspardarlehen heute schon fest, das ist bei steigenden Zinsen ein Vorteil. Der im Bausparvertrag ausgewiesene Effektivzinssatz ist aber irreführend. Man bekommt diesen Zins nämlich nur, wenn man zuvor Abschlussgebühren für den Sparvertrag zahlt und sein Geld über Jahre hinweg schlecht verzinst anlegt. Rechnet man ganz sauber, kann so ein Bauspardarlehen schon mal ein halbes Prozent teurer sein als angegeben.

mm: Erst ansparen, dann das Darlehen - das ist die klassische Variante. Ist diese im Vergleich zu Offerten von Banken und Versicherern angesichts niedrigster Zinsen noch attraktiv?

Nauhauser: Die Antwort auf diese Frage ist heute dieselbe wie vor zehn Jahren. Die niedrigen Zinsen ändern daran nichts, weil sie alle Sparverträge gleichermaßen betreffen. Ein Bausparvertrag ist generell kein attraktiver Sparvertrag, es sei denn, die Zinsen fallen nach Abschluss, und zwar dramatisch und dauerhaft. Deshalb sind einige alte Verträge aus heutiger Sicht gute Sparverträge. Und ein Bausparvertrag bietet auch keine besonders attraktiven Darlehenskonditionen, es sei denn die Zinsen steigen dramatisch.

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