Mittwoch, 12. Dezember 2018

Steigende Gewinne dank steigender Mieten Mieter protestieren - Vonovia modernisiert jetzt weniger

Vonovia-Wohnblock in Berlin im Stadtteil Moabit

Drei Euro mehr Miete pro Quadratmeter sind kein Pappenstiel. Viele Mieter des Wohnungskonzerns Vonovia konnten das nicht mehr zahlen. Sie protestierten gegen die Abwälzung der Kosten für Modernisierung. Der Konzern reagiert und stampft die Investitionen jetzt drastisch ein. Vonovia verdient gut an steigenden Mieten und erhöht erneut die Prognose.

Der größte deutsche Wohnungskonzern Vonovia will seine Modernisierungsinvestitionen drastisch kürzen. Hintergrund sei eine "dramatisch zurückgegangene" gesellschaftliche Akzeptanz für die in der Regel mit Mietsteigerungen verbundenen energetischen Modernisierungen, sagte Vonovia-Chef Rolf Buch im Gespräch mit Nachrichtenagenturen. Ab sofort sei eine Kürzung der energetischen Investitionen um rund 40 Prozent geplant.

Der Dax-Konzern hatte bislang durchschnittlich 7 Prozent der energetischen Modernisierungskosten - etwa für die Dämmung von Fassaden oder den Austausch alter Fenster - jährlich auf die Miete umgelegt, was in Einzelfällen zu Mieterhöhungen von mehr als drei Euro pro Monat und Quadratmeter geführt hatte.

Vonovia werde die frei werdenden Mittel künftig verstärkt in Neubauten und in Modernisierungen in Schweden investieren, wo die Akzeptanz dafür deutlich größer sei, kündigte Buch an. Auf die Geschäftsentwicklung werde das Umsteuern keine Auswirkungen haben. Der Vonovia-Chef bezifferte die geplanten Gesamtinvestitionen auf jährlich rund 1,3 bis 1,6 Milliarden Euro.

Profitorientierte Modernisierungsstratgie schon länger in der Kritik

Vonovia steht wegen steigender Mieten aufgrund von Modernisierungen schon seit längerem in den Schlagzeilen. Der Mieterbund kritisiert, dass große Vermieter sich so eine goldene Nase verdienten. Für viele Mieter seien die Erhöhungen nicht tragbar, sie würden aus ihren Wohnungen verdrängt oder abhängig von Sozialleistungen. Die Koalitionsfraktionen Union und SPD hat vor kurzem deshalb das Mietrecht zugunsten von Mietern verschärft.

Ab 2019 dürfen Hausbesitzer nach Modernisierungen nur noch 8 Prozent der Kosten im Jahr statt bisher 11 Prozent auf die Miete umlegen. Pro Quadratmeter sind dann Erhöhungen bis zu drei Euro erlaubt. Wo die Miete weniger als sieben Euro pro Quadratmeter beträgt, dürfen Vermieter je nur zwei Euro aufschlagen.

Vonovia - der früheren Deutschen Annington - gehören mehr als 400.000 Wohnungen. Die Bochumer sind in den vergangenen Jahren vor allem durch Großübernahmen von Rivalen wie Gagfah, Süddeutsche Wohnen (Südewo), Franconia und Wiener Conwert stark gewachsen. 2018 kamen Buwog aus Österreich und Victoria Park aus Schweden hinzu.

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