Freitag, 28. April 2017

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US-Immobilienboom Fed verliert Kontrolle über Häusermarkt

Übersicht: Die Hauspreise in US-Metropolen
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Corbis

Die US-Notenbank Fed bleibt vorerst bei ihrer lockeren Geldpolitik. Doch trotz höherer Bauzinsen läuft der Immobilienmarkt erneut heiß. Der von Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller ersonnene Case-Shiller-Index zeigt, dass Wohnen mancherorts schon wieder zu teuer wird.

Hamburg - Der Shutdown der US-Regierung liefert der Notenbank Federal Reserve einen willkommenen Vorwand, die seit dem Sommer angekündigte geldpolitische Wende aufzuschieben. Weil die Statistiker in den vergangenen Wochen nicht arbeiten durften, fehlen offizielle Zahlen zur Wirtschaftsleistung und zum Arbeitsmarkt, auf deren Grundlage die Fed an diesem Dienstag entscheiden könnte. Der von der Privatfirma ADP herausgegebene Jobreport und die Inflationszahlen der Fed wiederum liefern keinen Grund, den Geldhahn zuzudrehen.

Nur ein Bericht stört das Bild: der Case-Shiller-Index, das meistbeachtete Barometer zum Immobilienmarkt in den USA. In 20 ausgewählten Metropolen stiegen die Preise im August auf Jahressicht um 12,8 Prozent. "Das ist das höchste Wachstum seit Februar 2006", erklärt David Blitzer, Chef des Indexkomitees von S&P Dow Jones, das den Case-Shiller-Index herausgibt. "Alle Städte wiesen positive Jahresraten auf."

Die Jahreszahl 2006 müsste Alarmglocken schrillen lassen. Denn damals platzte die Spekulationsblase am Häusermarkt, der Hauptauslöser für die Weltwirtschaftskrise. Genau davor hatte der Miterfinder des Case-Shiller-Indizes, der nun mit dem Nobelpreis geehrte Yale-Ökonom Robert Shiller, gewarnt.

Nobelpreisträger Shiller sieht Gefahr von "irrationalem Überschwang"

Auch heute mahnt Shiller zur Vorsicht. Nach dem tiefen Fall der Preise und jahrelangen Flaute gebe es jetzt zwar Grund zur Korrektur. "Noch sehen die Amerikaner den Häusermarkt relativ nüchtern", schrieb Shiller jüngst in der "New York Times". Ganz realistisch seien sie aber auch nicht. Es bleibe die Gefahr der Rückkehr zu "irrationalem Überschwang", zu einer blasentypischen Denkweise. Und dazu trage auch die Politik der Fed bei, die zusätzlich zu den seit fünf Jahren auf null gehaltenen Leitzinsen Monat für Monat 80 Milliarden Dollar über den Kauf von Hypothekenpapieren in den Immobilienmarkt pumpt.

Deshalb hatten einige der Geldhüter auch die Diskussion angestoßen, ob es nicht sinnvoll wäre, wenn auch die Politik nicht insgesamt zu straffen, doch auf andere Instrumente zu setzen. Bereits diese Diskussion sorgte für steigende Baugeldzinsen, der Satz für die typische Hypothek mit 30-jähriger Laufzeit stieg von 3,3 Prozent im Mai auf 4,5 Prozent im September - erholte sich zuletzt aber auf knapp 4 Prozent, weil der Markt nun doch nicht so bald das "Tapering", das Auslaufen der außergewöhnlichen Hilfen, erwartet.

Die steigenden Zinskosten schienen die Käufer landesweit kaum zu beeindrucken: Die Hauspreise stiegen ungebremst weiter. Das wichtigste Steuerungsinstrument der Fed fällt aus.

Bleibt die Möglichkeit der Selbstkorrektur des Marktes. In manchen besonders gefragten Städten an der Westküste, wo Häuser längst nicht mehr erschwinglich sind, haben laut der Datenbank der Online-Immobilienbörse Zillow im September die Preise wieder deutlich nachgegeben. Die Zillow-Experten sagen zwar voraus, dass der nächste Case-Shiller-Report erneut einen Rekordanstieg melden werde. Danach werde das Wachstum aber nachlassen. "Hauspreiswachstum ist besser, wenn es langweilig ist", urteilt Zillow-Chefvolkswirt Stan Humphries.

Häuserpreise in US-Metropolen im Überblick

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