Sonntag, 24. Juli 2016

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Technik für die Wohnung Wie Apps jetzt Mietern beim Lüften helfen

Der elektronische Haushaltszähler: Mit den elektronischen Stromzählern verbindet die Branche Hoffnungen auf Stromersparnis und stabilere Netze

Für Immobilienbesitzer lohnt es sich, ihre Mieter zu energiesparendem Heizen und Lüften zu motivieren. Denn sonst können diese unbewusst große Schäden in der Immobilie anrichten - und viel Energie verschwenden. Mit Apps fürs Smartphone soll Energiesparen spannender werden.

Hamburg - Ingo Büser trifft mit seinen Ratschlägen meist zunächst auf taube Ohren, und dann auf erstaunte Gesichter: Der Energiespezialist muss bei Beratungsgesprächen mit Mietern und Vermietern oft mit den einfachsten Verhaltensregeln anfangen. "Lüften ist keine Energieverschwendung, es ist eine Notwendigkeit", lautet etwa das meist wiederholte Mantra des Energieberaters aus Essen. Nur müssten Mieter eben wissen, wie man richtig lüftet. Und über solche Mieter können sich laut Büser nur die wenigsten Immobilienbesitzer freuen.

So lassen die Sparfüchse unter den Mietern, die hohen Energiekosten den Kampf angesagt haben und die Fenster deshalb stets geschlossen halten, aus Unwissenheit die Wände feucht werden und den Schimmel einziehen. Schließlich ist der Ärger groß, der Vermieter soll's richten.

Frischluftfanatiker wiederum pusten beim Dauerlüften wertvolle Energie zum Fenster heraus, nur um sich nachher beim Vermieter über hohe Heizkosten und die vermeintlich schlechte Wärmedämmung der Wohnung zu beklagen. Über kaum ein Thema streiten sich Mieter und Vermieter so häufig wie über vermeintlich zu hohe Nebenkosten und durch Fehlverhalten entstandene Schäden an der Wohnung.

Doch auch mit den Vermietern selbst geht Energieberater Büser streng ins Gericht. Denn die reagieren oft mit wenig durchdachten Lösungen auf die Klagen ihrer Mieter. "Mal eben schnell die Fassade dämmen geht gar nicht", sagt er. "Ich stand schon in frisch sanierten Wohnungen, in denen der Schimmel nur so blühte."

Keine Ahnung, kein Interesse

Fragt man deutsche Energieexperten, läuft in Mietwohnungen hierzulande so einiges falsch: Weder Mieter noch Vermieter wüssten mit Energie richtig umzugehen, klagen die Spezialisten. Es fehle selbst am Basiswissen. Dabei könnte es doch so einfach sein, versichern die Experten unisono. Wozu gibt es schließlich moderne, auch für Laien zu bedienende Technik? So senden zum Beispiel neue Messgeräte, Smart Meter genannt, Verbrauchern eine Analyse ihres persönlichen Energieverbrauchs direkt aufs Smartphone oder den Tablet-Computer.

Dafür messen die Geräte den Strom-, Gas- und Wasserverbrauch im Viertelstundentakt, übermitteln die Daten an den Energielieferanten, der sie für den Verbraucher in harten Zahlen und mit hübschen Grafiken versehen aufbereitet - inzwischen gerne auch als schicke Smartphone-App.

So haben Verbraucher zum ersten Mal die Gelegenheit, sich mit ihrem Energieverbrauch im Detail auseinanderzusetzen. So fliegen Stromfresser wie Wäschetrockner und Wärmepumpen auf - und Mieter lernen, diese dann einzuschalten, wenn der Strom günstig ist. Kein Vergleich also zu den alten Zählern, die Verbraucher nur einmal im Jahr ablesen mussten: Laien konnten mit dem Verbrauch in Kilowattstunden kaum etwas anfangen und bekamen keinerlei Feedback vom Energieversorger über ihr Nutzerverhalten.

Für Vermieter bieten die schlauen Ablesegeräte einen ganz anderen Vorteil: Sie schaffen Transparenz, können so zum Schlichter beim Streit über die Nebenkostenabrechnung werden. Eine Studie des Immobilienportals Immowelt stellte erst kürzlich fest: In über einem Drittel aller Streitfälle zanken Mieter und Vermieter wegen der Nebenkostenabrechnung.

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