Samstag, 28. Mai 2016

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Trotz Preisexplosion in London Ist die britische Immobilienblase ein Irrtum?

London: Schöner ist teurer ist London
Engel & Völkers
London: Schöner ist teurer ist London

Die Preise für Wohneigentum in London klettern immer weiter, die Zentralbank warnt vor einer Blase - nur zahlt angeblich niemand die aufgerufenen Preise, so eine Studie. Ist die Angst vor einer Preisexplosion ein Irrtum?

London - In London scheint nur der schiefergraue Himmel das Limit des Preiswachstums für Wohnraum zu markieren. In den vergangenen zwölf Monaten stiegen die Preise in der Metropole um 22 Prozent, heißt es im aktuellen Bericht der Statistikbehörden. Aber trotzdem zahlt offenbar niemand die verlangten Preise.

Nach einer Studie des Maklers RightMove, auf die sich die Seite lovemoney bezieht, zahlten in den vergangenen zwölf Monaten immerhin 72 Prozent der Käufer in England und Wales die aufgerufenen Preise nicht. Sogar im stark umkämpften London konnten 53 Prozent der Käufer sich offenbar mit einem "no" zu den Preisvorstellungen des Verkäufers durchsetzen und zahlten weniger. 70 Prozent konnten den Preis im Südosten des Landes drücken, 71 Prozent im Nordosten und 82 Prozent in Wales.

Anders gefasst - nur 21 Prozent bezahlten den verlangten Preis und 7 Prozent sogar mehr. Da die Maklergesellschaft in der Summe rund 6000 Käufer befragt hat, hat die Studie einige Aussagekraft. Die Kernfrage aus diesem Befund lautet daher - sind die Sorgen um eine Immobilienblase gerade im Großraum London übertrieben? Ergibt sich die Bank of England (BoE) der Panik, wenn sie davor warnt und versucht, die Kreditvergabe einzudämmen? Immerhin müsste eine Blase es doch mit sich bringen, dass Häuser mehr oder weniger ohne Ansehen des Preises den Eigentümer wechseln. Das alles ist möglich. Doch eine Entwarnung dennoch nicht gegeben werden.

Das zeigt auch die Erhebung selbst. Denn der Verhandlungsspielraum für Käufer sinkt offenbar. Während 2012 noch 95 Prozent Prozent der ursprünglich geforderten Summe gezahlt wurden, waren es 2013 schon 97 Prozent. Wie kommen also die hohen Preisforderungen zustande?

Zum einen sicherlich durch Selbstüberschätzung - wer lange in einem Haus gewohnt hat, pflegt die unterlassenen Reparaturen oder Instandhaltungsarbeiten nicht in seine Kalkulation des Kaufpreises aufzunehmen. Für ihn ist die in die Jahre gekommene Heizung kein Grund, nachzuverhandeln. Für den potenziellen Käufer schon. Zum anderen aber sind es auch Makler, die die Preise nach oben treiben. Denn hohe Schätzungen eines möglichen Verkaufspreises sorgen dafür, dass die Verkäufer ihnen das Mandat erteilen. Und ein letztes - die Preise, auf die sich viele Erhebungen beziehen, sind die verlangten Preise, nicht aber die tatsächlich gezahlten. Da aber der Verhandlungsspielraum offenbar immer weiter sinkt, bleibt der Himmel über London das Limit für die Preissteigerungen - und BoE-Chef Mark Carney hat recht mit seinen Warnungen vor einer Blase.

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