Mittwoch, 19. Dezember 2018

Fenster aus Polen "Die deutschen Lieferanten brauchen wir nicht mehr"

Fenster aus Polen: Der rasante Aufstieg von Drutex
Thies Raetzke für manager magazin

Den deutschen Bauboom begleiten auch Marktführer aus Polen. Drutex liefert schon die meisten Fenster und verdoppelt seine Produktion jetzt noch. Gründer Leszek Gierszewski erklärt, wie er der deutschen Industrie den Rang ablief, warum ihm höhere Löhne nichts ausmachen - und vergleicht Drutex mit Coca-Cola.

mm: Herr Gierszewski, Ihre Firma Drutex mischt gerade mit einer Verdopplung der Kapazität den europäischen Fenstermarkt auf. Gegründet haben Sie Drutex schon 1985, als Polen offiziell noch sozialistisch war. Wie kam es dazu?

Gierszewski: Ich war schon immer neugierig und wollte vieles ausprobieren. Zuvor war ich Dozent an der Militärakademie. Das war damals ein gut bezahlter Job, aber eigentlich wollte ich gar keine Armeekarriere. Den Offizierstest habe ich nach einer Wette mit Freunden gemacht, aber ich habe als einziger bestanden. Deshalb blieb ich nur für die dreijährige Wehrpflicht. Ich sah, wie Freunde und Verwandte erfolgreich Unternehmen gründeten. Eine Pilzfarm zum Beispiel. Das wollte ich auch.

mm: In Pilze machten Sie dann doch nicht …

Gierszewski: Nein, aber auch nicht gleich in Fenster. 1982 begann ich mit einem Freund, Blumentöpfe herzustellen. Drei Jahre später wollte ich dann meine eigene Firma haben. Drutex fing mit Maschendrahtzäunen an, Drut ist das polnische Wort für Draht, bald danach kamen Fuchskäfige hinzu. Ich wurde größter Fuchskäfighersteller in Polen! Aber ich wollte nicht alles auf eine Karte setzen und suchte nach neuen, profitablen Geschäften. Fenster machen wir seit 1994.

mm: Inzwischen nennen Sie sich größter Hersteller von Kunststofffenstern in Europa. Sind Sie damit nicht sogar Marktführer im Fenstermarkt überhaupt, wo doch Kunststoff gegenüber Holz oder Aluminium dominiert?

Gierszewski: Was die Zahl der produzierten Fenstern angeht, ohne jeden Zweifel. Bisher fertigten wir 5000 Fenster am Tag, bald werden es 10.000 sein. Auch umsatzmäßig liegen wir mit rund 120 Millionen Euro im Markt für vertikale Fenster vorn, schräge Dachfenster sind nicht unser Markt. Bei den Umsatzzahlen ist der Abstand zu den Wettbewerbern aber nicht so groß. Die verkaufen viel weniger Fenster, dafür aber teurer.

mm: Mit Fenstern aus Polen haben wohl viele deutsche Hausbesitzer Erfahrung. Der Preis ist sicher das schlagende Argument.

Gierszewski: Fensterbau ist neben Möbeln und Nahrung eine der Spezialitäten unserer Wirtschaft, so wie Deutschland Autos und Maschinenbau hat. Die Qualität der Fenster ist im Allgemeinen genauso gut wie bei den Deutschen. Bei großen Herstellern wie uns hat man aber eine bessere Garantie und besondere Leistungen. Wir garantieren zum Beispiel die Lieferung innerhalb von sieben Tagen in Europa, das ist viel schneller als die Konkurrenz. Damit werben wir vor allem um Kunden, nicht mit dem Preis.

Billiger sind wir auch, aber das liegt an unserem Größenvorteil in der Massenproduktion, der sich ebenfalls positiv auf die gleichbleibende Qualität unserer Produkte auswirkt. Das funktioniert wie in jeder anderen Branche, schauen Sie mal in die Autoindustrie.

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