Montag, 17. Dezember 2018

Neue Energien Alptraum Pellet-Heizung

Heizen mit Holzpellets: Umweltschonend, aber häufig wartungsanfällig

2. Teil: Qualitätsmängel bei den Heizungsanlagen

Das Geschäft mit den Pellet-Heizungen wächst derweil rasant. Im Jahr 2002 wurden in Deutschland gerade einmal 13.000 Anlagen installiert. Zehn Jahre später waren es bereits 180.000. Unter den Anbietern gibt es ebenso erfahrene wie auch technisch weniger erfahrene. Mittlerweile haben auch große Heizungsbauer wie Viessmann, Vaillant oder Buderus erkannt, dass sich mit der neuen Heiztechnik Geld verdienen lässt. Ihr Vorstoß in Sachen Pellet-Heizung erhöht den Druck auf kleinere Konkurrenten.

"Diese Firmen können es sich nicht erlauben, eine störungsanfällige Technik anzubieten", sagt Geschermann. Das sei eine gute Nachricht für Kunden, denn: "Anbieter mit Qualitätsproblemen werden nachziehen." Es hängt allerdings nicht nur von den Herstellern ab, ob eine Pellet-Heizung Probleme verursacht. Schließlich muss jemand die Anlage beim Kunden einbauen.

Diese Aufgabe übernehmen meist Handwerksbetriebe, und auch diese haben nicht unbedingt besonders viel Erfahrung. "Sie haben über Jahrzehnte gelernt, dass sie eine Heizung lediglich aufstellen und anschließen müssen", sagt ein Branchenexperte. Das funktioniere bei Pellet-Heizungen nicht. Verschiedene Zulaufklappen müssen justiert, Kunden der Umgang mit der neuen Anlage erklärt werden. Dafür sei Fachwissen gefragt, das lange nicht alle Heizungsinstallateure mitbrächten.

Handwerksbetriebe oft überfordert

Der Grund: Gerade das Sanitär- und Heizungshandwerk musste sich in den vergangenen Jahren schon Spezialwissen über Solarthermie, Blockheizkraftwerke oder Kraft-Wärme-Kopplung aneignen. Die Pellet-Heizung ist also nur eine von vielen neuen Techniken, die zusätzliches Know-how erfordert. Heizungsbauer bieten zwar Schulungen an. Da es sich aber immer noch um einen Nischenmarkt handelt, investieren gerade kleine Handwerksbetriebe kaum in die Fortbildung.

Handwerksmeister Konrad Bramer aus Köln hat sich und sein Team umfangreich schulen lassen. Er hat Respekt vor der neuen Technik. "Bei jeder Neuerung ist erst einmal Vorsicht geboten", sagt Bramer. "Die Technik muss vernünftig eingebaut werden - sonst erhöhen sich die Fehlerquellen."

Bramer erlebt immer wieder, dass zum Beispiel Fehler bei der Planung und beim Einbau geschehen. Pellet-Lager werden nicht auf die Größe der Heiz-Anlage abgestimmt. Oder Verbraucher heizen mit schlechten Pellets. "Dann entsteht unnötig viel Staub, der Störungen verursacht", sagt Bramer. Der falsche Umgang mit Pellet-Heizungen gehe zwar zurück. "Schwarze Schafe gibt es aber leider immer", sagt Bramer. "Die Leidtragenden sind die Kunden."

Der Immobilienverwalter aus dem Süden ist es mittlerweile leid, sich um Pellet-Heizungen zu kümmern. Er hat der Technik zwar nicht abgeschworen, betreibt die Heizungen aber nicht mehr in Eigenregie. Stattdessen schließt er sogenannte Contracting-Verträge mit einem Energielieferanten ab. Der kümmert sich nun um die Wartung und sämtliche Probleme, die im Betrieb anfallen. Störungen gehen den Bauträger seitdem nichts mehr an.

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