Sonntag, 30. April 2017

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Verschärfte Energieanforderungen "Die Energiewende wirkt sich brutal auf den Immobilienmarkt aus"

Neue Energieeinsparverordnung: Was auf Hausbesitzer zukommt
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DPA

2. Teil: "Brutale Folgen der Energiewende"

Pfnür: Wohlgemerkt: Wir sprechen von der Warmmiete. Die Einsparungen haben wir dabei bereits berücksichtigt. Werden die Vorschriften weiter verschärft, ist in Deutschland bald kein bezahlbarer Neubau mehr möglich. Die Auswirkungen der Energiewende auf den Immobilienmarkt wären brutal. In ländlichen Regionen, die ohnehin stark unter Leerstand leiden, baut bald kein Mensch mehr. Und der Wert der unsanierten Häuser verfällt. Das gefährdet nicht nur die Baukonjunktur in den betroffenen Landstrichen, das treibt auch Keile in die Gesellschaft.

mm: Wie sieht es im Gebäudebestand aus? Zahlen sich energetische Sanierungen dort aus?

Pfnür: In schätzungsweise 80 Prozent der Fälle rechnet sich eine Totalsanierung nicht. Einzelmaßnahmen können aber immer sinnvoll sein. Man muss jedes Gebäude gesondert betrachten.

mm: Hausherren nutzen häufig Solar- oder Windstrom um Energiekosten zu sparen. Wie bewerten Sie den Einsatz erneuerbarer Energien?

Pfnür: Natürlich sinkt der CO2-Ausstoß, wenn die Nutzung erneuerbarer Energien steigt und die Gebäude smarter werden. Das zeigt: Man muss nicht unbedingt weniger Energie verbrauchen, sondern kann auch die richtigen Erzeuger nutzen. Die Regierung muss sich die Frage gefallen lassen, ob die hohen Einsparziele überhaupt effizient sind.

mm: Für wie realistisch halten Sie denn das Ziel, in Gebäuden 80 Prozent der Energie bis 2050 einzusparen?

Pfnür: Das 80-Prozent-Ziel ist ziemlich aus der Luft gegriffen. Wir machen jetzt eine ganze Menge sozialpolitisch kaputt, wenn wir die Ziele nicht überprüfen. Bleibt es bei der bisherigen Linie, produziert die Gebäudesanierung neue Armut und neue Hartz-IV-Empfänger.

mm: Was muss sich ändern?

Pfnür: Zunächst brauchen wir mehr Dialog zwischen den Betroffenen. Generell sollten sich die Einsparvorschriften meiner Meinung nach an Wirtschaftlichkeitskriterien orientieren. Wir brauchen mehr staatliche Förderung, beispielsweise über eine Aufstockung der KfW-Mittel. Die Subventionen sollten dabei technologieoffen sein, also nicht eine bestimmte Maßnahme bevorzugen. Die Dämmung bundesweit per Gesetz auf 50 Zentimeter zu erhöhen, bringt gar nichts - außer neuen Problemen.

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