Sonntag, 21. Januar 2018

Wohnungspolitik Merkel und Gabriel bringen Immobilienbranche gegen sich auf

Steuern, Mieten, Energie: Diese Themen bewegen die Immobilienfirmen
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Im Wahlkampf zeichnete sich bereits ein Konsens ab, jetzt ist die Mietpreisbremse einer der ersten Punkte, auf die sich Union und SPD im Zuge der Regierungsbildung geeinigt haben. Fachleute schütteln jedoch den Kopf: Der Eingriff bringe nichts - er schade eher.

Berlin - Mit der Einführung der Mietpreisbremse, auf die sich Union und SPD am Montag geeinigt haben, kommen die künftigen Koalitionspartner zwar den Wünschen der Mieterlobby und möglicherweise eines Großteils der Bevölkerung nach. Ob ein solcher Eingriff sinnvoll ist, darf jedoch bezweifelt werden. In der Wissenschaft jedenfalls finden sich kaum Befürworter eines zusätzlichen Mietdeckels. Und auch in der Immobilienwirtschaft glauben nur wenige, dass auf diese Weise die Wohnungsknappheit besiegt werden kann.

Im Gegenteil, selbst wenn künftig Wohnungen in beliebten Stadtteilen der Metropolen, in denen die Mieten zuletzt stark gestiegen sind, wieder erschwinglicher sein sollten - an der großen Nachfrage nach diesen Wohnungen ändert das noch lange nichts, lautet der Tenor. Es erscheine daher sehr wahrscheinlich, dass diese Wohnungen auch in Zukunft an die Interessenten mit der besten Bonität vergeben werden. Der "kleine Mann" mit weniger in der Tasche dagegen schaue weiterhin in die Röhre.

Und damit nicht genug: Langfristig, so die Kritiker, droht die Mietbremse die Wohnungsnot in deutschen Großstädten sogar noch zu verschärfen. Der Grund: Der Eingriff in die Erlösmöglichkeiten senke die Attraktivität von Investitionen in Wohnimmobilien. Dadurch könne die Bautätigkeit noch stärker beeinträchtigt werden. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln etwa kam vor einiger Zeit in einer Studie zu genau diesem Ergebnis.

Fachleute fordern Anreize für den Wohnungsbau

Um die Verfügbarkeit bezahlbaren Wohnraums zu verbessern, so glauben viele Fachleute, muss vielmehr das Angebot vergrößert und zu dem Zweck die Bautätigkeit angekurbelt werden. Die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung beim Neubau etwa, die am Montag ebenfalls auf die Agenda gesetzt wurde, könnte ein Schritt in diese Richtung sein.

"Ich denke es ist ein Fehler zu glauben, durch eine Preisregulierung wird alles gut", sagte etwa Rolf Elgeti, Chef der börsennotierten TAG Immobilien AG Börsen-Chart zeigen, schon vor der Bundestagswahl im Gespräch mit manager magazin online. "Erforderlich ist vor allem mehr Angebot." Das werde es jedoch erst geben, wenn Mietwohnungsbau wirtschaftlich darstellbar sei. Ein Weg dahin wäre nach Ansicht Elgetis die stärkere Umwandlung von Gewerbe- in Wohnimmobilien. "Da sehe ich enormes Potenzial bei der Politik", sagt der Manager.

Auch Andreas Mattner, Chef der Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland (BID) und des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), warnt davor, dass eine zusätzliche Regulierung der Mieten die Wohnungsknappheit noch verschärfen werde. Das sagte der Lobbyist am heutigen Dienstag in Berlin, wo er eine Umfrage vorstellte, die das Institut Forsa in der Immobilienbranche durchgeführt hat.

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