Sonntag, 19. August 2018

Furcht vor Umsatzeinbrüchen Bei Immobilienmaklern geht die Existenzangst um

Mieter oder Vermieter? Bei der Wohnungsvermittlung geht es nicht zimperlich zu

Helle Aufregung unter Deutschlands Immobilienmaklern: Durch eine Novelle aus Berlin drohen ihnen heftige Umsatzeinbußen. Die Branche wehrt sich - aber ihre Chancen stehen schlecht.

Hamburg - Unter den Immobilienmaklern in Deutschland geht die Angst um, und zwar die blanke Existenzangst. Sollte die Bundesregierung die Pläne umsetzen, die sie im Koalitionsvertrag festgehalten hat, so stehen den Immobilienvermittlern einschneidende Veränderungen bevor - viele vor allem kleine Maklerbüros könnten dem Wandel zum Opfer fallen.

Geplant ist in Berlin zum Beispiel die Einführung eines Sachkundenachweises für Makler sowie eine Pflichtversicherung. Schreckgespenst Nummer eins für die Zunft ist jedoch das Vorhaben, die Bezahlung der Makler neu zu regeln.

Bisher ist es für Wohnungsvermieter vielerorts ein Leichtes, das Honorar für den Maklers dem künftigen Mieter auf's Auge zu drücken. Das soll sich aber ändern: Laut Schwarz-Rot soll künftig grundsätzlich derjenige den Vermittler bezahlen, der ihn auch beauftragt hat - und das ist in den meisten Fällen nicht der Wohnungssuchende, sondern der Vermieter (das so genannte Bestellerprinzip).

Die Sorge der Makler ist es nun, dass die Vermieter sich diese Kosten künftig lieber sparen könnten. Den Immobilienmaklern stünden dann Umsatzeinbußen ins Haus.

Drei Viertel der Makler befürchten Umsatzeinbußen

Die "Immobilienzeitung" ("IZ") berichtete jüngst, viele kleinere Makler hätten angesichts dieser Aussichten Angst um ihre Existenz. Wie kritisch die Branche den Plänen aus Berlin gegenübersteht, brachte in diesen Tagen zudem eine Umfrage zum Vorschein, die die "IZ" gemeinsam mit Immobilienscout24 und dem Dienstleister Immo Media Consult durchgeführt hat.

Demnach lehnen knapp 74 Prozent der befragten Makler das Bestellerprinzip rundweg ab. Bei den Vermietern beträgt die Ablehnungsquote knapp 56 Prozent. 75 Prozent der Makler befürchten zudem, durch die Einführung des Bestellerprinzips Umsatzeinbußen zu erleiden. 24 Prozent erwarten sogar existenzbedrohende Einbrüche.

Der weitaus größte Teil der insgesamt 2370 Umfrageteilnehmer glaubt zudem nicht an den politischen Erfolg des Bestellerprinzips, die Chance also, damit zur Bekämpfung der Wohnungsnot beizutragen. Stattdessen erwarten 90 Prozent, dass die Makler vieles tun werden, um die neue Regelung zu umgehen.

So rechnen jeweils zwei Drittel der Makler und Vermieter damit, dass sich Makler im Gegenzug für die Zusage zu einer Wohnung offiziell vom Mieter beauftragen lassen. Das hätte zur Folge, dass letzterer dann doch wieder für die Maklercourtage aufkommen müsste. Zudem werden verdeckte Provisionen (Makler: 64 Prozent, Vermieter: 72 Prozent) und überhöhte Abstandszahlungen (Makler: 57 Prozent, Vermieter: 54 Prozent) befürchtet.

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