Donnerstag, 28. Juli 2016

Erhöhungen der Grunderwerbsteuer Länder verdienen am Immobilienboom kräftig mit

Hausbau: Die Grunderwerbsteuer kostet Bauherren bis zu 6,5 Prozent ihres Grundstückspreises

Seit Anfang des Jahres haben viele Bundesländer die Grunderwerbsteuern angehoben. Sie verdienen so kräftig mit an Immobilienboom und Niedrigzinsen. Die Mehrausgaben treffen vor allem Familien.

Hamburg - Historisch niedrige Zinsen fachen in Deutschland die Nachfrage nach Immobilien an. An diesem Boom verdienen die Bundesländer kräftig mit: Zwischen 3,5 und 6,5 Prozent des Preises werden beim Erwerb von Grundstücken, Gebäuden auf fremdem Grund und von grundstücksgleichen Rechten (etwa Sondernutzungs- und Erbbaurechten) fällig.

Spitzenreiter ist das Land Schleswig-Holstein: Ein Steuersatz von 6,5 Prozent bedeutet für den Kauf eines Grundstücks für 250.000 Euro etwa Mehrkosten in Höhe von 16.250 Euro. In Bayern und Sachsen, wo das Land jeweils 3,5 Prozent des Kaufpreises haben will, werden 8.750 Euro fällig.

Ausgenommen sind nach Angaben des Baufinanzierers Dr. Klein Erbschaften, Schenkungen oder Immobilienkäufe zwischen Ehe- oder Lebenspartnern oder Personen, die in gerader Linie miteinander verwandt sind.

Familien besonders betroffen

Für Stephan Gawarecki, Vorstandssprecher von Dr. Klein, sendet die Politik beim Thema Immobilienkauf widersprüchliche Signale: Der Staat biete einerseits Anreize für Investitionen in Wohneigentum, etwa über vergünstigte KfW-Programme oder Wohn-Riester-Angebote. Gleichzeitig drehten die Länder an der Grunderwerbsteuer: "Dadurch erhöhen die Länder die finanziellen Hürden beim Immobilienerwerb."

Ein bereits 2012 im Auftrag der Bundesvereinigung Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft (BSI) erstelltes Gutachten zeige, "dass der Steuerwettlauf der Länder vor allem zulasten junger Familien ausgetragen wird", berichtet Dr. Klein in einer Mitteilung. Hürden beim Kauf trieben zudem die Mieten in die Höhe, sagte Gawarecki weiter.

Steuern bei der Aufnahme von Darlehen beachten

Laut einer aktuellen Umfrage von ImmobilienScout24 wissen viele Kaufinteressierte nicht, welche Zusatzkosten die Grunderwerbssteuer für sie mit sich bringe. Von 1.200 Befragten habe nur die Hälfte die Höhe der jeweils herrschenden Steuer gewusst; ein gutes Viertel habe sie ungefähr einschätzen können, der Rest habe raten müssen oder die Abgabe überhaupt nicht gekannt.

Dr.-Klein-Vorstand Gawarecki warnt potenzielle Hauskäufer, die durch die Steuer verursachten Kosten bei der Berechnung des zum Hauskauf nötigen Darlehens zu berücksichtigen: "Die Grunderwerbssteuern zählen zu den Nebenkosten, die bei einer Baufinanzierung in der Regel aus dem angesparten Eigenkapital beglichen werden müssen", sagt er. Überschreite die fällige Summe die eigenen Rücklagen, müsse das Darlehen erhöht werden - was oft höhere Zinsen nach sich ziehe.

luk

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