Samstag, 23. Februar 2019

Nobelimmobilie für 95 Millionen Pfund Hedgefonds-Milliardär schlägt in London zu

Carlton House Terrace in London: In diesem Komplex erwarb Hedgefonds-Lenker Griffin eine Nobelimmobilie.
picture alliance / dpa
Carlton House Terrace in London: In diesem Komplex erwarb Hedgefonds-Lenker Griffin eine Nobelimmobilie.

Seit die Briten Mitte 2016 für den Brexit stimmten, rutschen in London die Immobilienpreise ab. Inzwischen haben die Preise offenbar ein Niveau erreicht, das manchen zum Einstieg reizt. Hedgefonds-Milliardär Ken Griffin jedenfalls, Gründer und Chef des Investmenthauses Citadel mit Sitz in Chicago, hat jetzt zugeschlagen: Wie die "Financial Times" berichtet, erwarb Griffin ein historisches Stadthaus in der Nähe des Buckingham Palace.

Der Preis von 95 Millionen Pfund (rund 108 Millionen Euro), den Griffin dem Bericht zufolge für die Immobilie gezahlt hat, mutet zwar großzügig an. Wie die "FT" berichtet, wurde das Objekt jedoch ursprünglich für 145 Millionen Pfund vermarktet. Der Anbieter musste seine Vorstellungen offenbar zurücknehmen - und Griffin wurde womöglich ein Profiteur der Brexit-Unruhe auf dem Londoner Immobilienmarkt.

Bei der Immobilie aus dem Jahr 1820 handelt es sich um 3 Carlton Gardens, einen Teil des Komplexes Carlton House Terrace im Nobelstadtteil St. James. Es sei eine historische Immobilie in einer spektakulären Lage, von außergewöhnlicher Eleganz und mit atemberaubenden Gärten, zitiert die "FT" eine Sprecherin Griffins.

Der Erwerb fällt in eine Zeit, in der viele Objekte am Londoner Immobilienmarkt günstig erscheinen - jedenfalls im Vergleich zu den Preisvorstellungen, die die Verkäufer noch vor drei Jahren geäußert haben. Die Preise für Häuser in den exklusivsten Gegenden der Stadt seien seit 2014 um 18,4 Prozent gefallen, so Zahlen des Immobilienberatungsunternehmens Savills.

Einem Bericht von Bloomberg zufolge fielen zudem die Immobilienpreise in ganz London im Januar dieses Jahres auf den niedrigsten Stand seit dreieinhalb Jahren.

Hintergrund der Preisschwäche ist Marktkennern zufolge der bevorstehende Austritt der Briten aus der EU, der sowohl private als auch professionelle Käufer und Investoren verunsichere und zurückhaltend agieren lasse. Schon in wenigen Wochen soll der Brexit vollzogen werden, doch trotz intensiver Verhandlungen in Brüssel sowie in Londons Unterhaus ist noch immer nicht klar, unter welchen Konditionen der Austritt vonstatten gehen soll. Unter diesen Bedingungen halten sich viele Interessenten offenbar mit größeren Immobilienanschaffungen in Großbritanniens Hauptstadt zurück, was die Preise nach unten drückt.

Hedgefonds-Milliardär Ken Griffin hat diese Situation nun womöglich zu seinen Gunsten genutzt. Der Investmentunternehmer gründete den Hedgefonds Citadel bereits im Jahr 1990 und wird gegenwärtig von "Forbes" auf ein persönliches Vermögen von 9,9 Milliarden Dollar (rund 8,7 Milliarden Euro) geschätzt.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Griffins Firma Citadel verwaltet rund 28 Milliarden Dollar an Anlegergeldern. Das Unternehmen konnte das vergangene Jahr erfolgreich abschließen, so die "FT". Während andere Hedgefonds Schwierigkeiten mit den globalen Marktturbulenzen insbesondere im vierten Quartal 2018 hatten und schwach performten, widerstand Citadel diesem Trend. Laut "FT" schloss der Flaggschifffonds "Wellington" des Hauses das vierte Quartal mit einem Plus von 9 Prozent ab. Zwei weitere Produkte erreichten einen Gewinn von 6 Prozent und 9 Prozent, so die Zeitung.

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