Freitag, 30. September 2016

Debatte um Wohnungspolitik Kaufen besser als Mieten - und wie reagiert die Politik?

Käufer einer Immobilie oder Eigentumswohnung sind zwar nicht per se nicht die glücklicheren Menschen als Mieter, doch schneiden sie finanziell nach Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstitut IW Köln oft deutlich besser ab - wegen der extrem niedrigen Zinsen

Der starke Zuzug von Flüchtlingen verschärft in Deutschland vielerorts die Wohnungsnot. In diesen Tagen wird daher verstärkt über Möglichkeiten diskutiert, mit denen zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden kann.

Bund und Länder etwa planen eine "Wohnungsbauoffensive". Vorgesehen sind unter anderem Steueranreize von mehr als vier Milliarden Euro, mit denen mehr privates Kapital in den Wohnungsbau gelenkt werden soll. Nach einem Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag soll der Startschuss fallen.

Solche staatlichen Förderungen haben allerdings meist den Mietsektor im Fokus - ein Fehler, wie das Wirtschaftsforschungsinstitut IW Köln glaubt. Gemeinsam mit der Schwäbisch Hall hat das Institut eine Studie veröffentlicht, in der die Kosten des Mietens den Kosten des Wohnens in den eigenen vier Wänden gegenübergestellt wird. Ergebnis: Vor allem wegen der extrem niedrigen Kreditzinsen ist Eigentum derzeit in sämtlichen 402 Kreisen des Bundesgebiets günstiger als Mietraum.

Kaufen schlägt Mieten im Schnitt um 30 Prozent

Und zwar deutlich günstiger, so das IW Köln. Die Forscher haben mit Hilfe des sogenannten Wohnnutzerkostenkonzepts die Miete pro Quadratmeter Wohnfläche und Monat mit den entsprechenden Selbstnutzerkosten verglichen. Der Vorteil der Selbstnutzer betrage teilweise mehr als 50 Prozent, so das IW in der Studie. Auch in vielen Großstädten seien Selbstnutzer besser dran. In weiten Teilen Deutschlands liege die Differenz bei mehr als 30 Prozent, und lediglich in einigen Kreisen Bayerns bei weniger als 20 Prozent. Am geringsten ist die Differenz zwischen den Kosten der Eigennutzung und den Mietkosten aktuell im Landkreis Miesbach, wo sie knapp 7 Prozent beträgt.

Im Klartext heißt das: Wer in den eigenen vier Wänden lebt, spart derzeit in der Regel viel Geld. Weshalb also die Förderung auf den Mietwohnungsbau beschränken? Warum nicht das Eigentum stärker fördern?

Diese Frage stellt auch das IW Köln. Michael Voigtländer, Leiter der Immobilienabteilung des Instituts und Mitautor der Studie, sieht neben dem Kostenargument noch weitere Vorteile. Beispielsweise könnte damit die Vermögensbildung angeregt und auch die Altersvorsorge gestärkt werden, schreibt er in einem Blogbeitrag.

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