Freitag, 23. Juni 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Immobilienblasen und ihre unbegrenzte Finanzierung Häusermarkt läuft heiß - von Vancouver bis München

Vancouver: Vancouver, London, Stockholm, Sydney und München sind laut UBS die Städte mit dem weltweit höchsten Immobilien-Blasenrisiko
imago/Westend61
Vancouver: Vancouver, London, Stockholm, Sydney und München sind laut UBS die Städte mit dem weltweit höchsten Immobilien-Blasenrisiko

Die Krise des kanadischen Immobilienfinanzierers Home Capital mag andere Gründe haben als das Platzen einer Immobilienblase. Dennoch ruft die Schieflage des Unternehmens, der einsetzende Run der Kunden und das eilig organisierte Rettungspaket von zwei Milliarden US-Dollar ungute Erinnerungen hervor. Auch die Finanzkrise begann vor acht Jahren mit ersten vereinzelten Schieflagen, erinnert sei an die britische Northern Rock Börsen-Chart zeigen. Auch die Bundesbank warnt inzwischen vor Preisblasen am deutschen Immobilienmarkt.

Sollte es Kanada nun also doch noch treffen, obwohl die dortigen Banken einer weitaus strengeren Regulierung unterliegen? Auszuschließen ist das nicht, weil heute angesichts des größten Risikos der Weltfinanzmärkte selbst die beste Regulierung versagt: die unbegrenzte Finanzierung von Immobilien durch das Bankensystem.

Kanada ist sicherlich nicht alleine mit dem Risiko überteuerter Immobilienmärkte. Die UBS identifiziert gleich mehrere Städte in der Welt mit einem erheblichen Blasenrisiko.

In absteigender Reihenfolge sind dies:

  • Vancouver
  • London
  • Stockholm
  • Sydney
  • München

Allen gemeinsam ist ein knappes Angebot, die Verfügbarkeit billigen Geldes und der ungebremste Glaube, dass Immobilien niemals im Preis fallen können.

Das Land-Angebot ist knapp - doch müssen Preise deshalb ewig steigen?

Als ich im Jahre 2010 geschäftlich in Australien unterwegs war, erzählten mir meine Gesprächspartner immer das Gleiche:

1. Wir haben keine Finanzkrise gehabt, weil wir alle in sichere Immobilien investieren.

2. Immobilien können nur im Preis steigen, weil Land knapp ist.

3. Immer weniger Familien können sich noch eine Wohnung in der Stadt leisten.

Daniel Stelter

Gerade der Punkt mit der Landknappheit kam mir angesichts endloser Weiten unbebauten Landes beim Überfliegen Australiens etwas komisch vor. Im Kern ging es darum, dass die Städte nicht genügend neues Bauland auswiesen, um dem anhaltenden Zuzug nach Australien und in die Städte auszugleichen.

Damit wird aber auch klar, dass Knappheit ein relatives Konzept ist. Vor allem wird die Knappheit dadurch akzentuiert, dass sich der Glaube durchsetzt, dass Immobilien nur im Preis steigen können, was objektiv falsch ist, weil es in jedem Markt - auch in den fünf Märkten mit dem größten Blasenrisiko laut UBS - historisch immer wieder Preisrückgänge gegeben hat.

Richtig ist aber, dass Immobilien in Deutschland auch deshalb im Schnitt günstiger sind als in anderen Märkten, weil wir durch unsere föderale Struktur über viele Zentren mit guter Wirtschaftskraft verfügen. In anderen Ländern, wie beispielsweise Großbritannien und Frankreich ist die Wirtschaft auf die Hauptstädte konzentriert, was naturgemäß zu höheren Immobilienpreisen führt.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH