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04.09.2013
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Häuser in der Provinz
Wo Betongold nur Verluste bringt

Von Martin Hintze

Trügerische Idylle: In der Provinz fallen die Immobilienpreise
Corbis

Trügerische Idylle: In der Provinz fallen die Immobilienpreise

In den Metropolen herrscht Wohnungsnot, doch in ländlichen Regionen ist vom Immobilienfieber nichts zu spüren - im Gegenteil: Die Landflucht beschleunigt sich, die Preise purzeln. Ein Alptraum für die Altersvorsorge.

Hamburg - Das ostthüringische Greiz ist ein Städtchen wie aus dem Bilderbuch. Die "Perle des Vogtlandes" mit etwas mehr als 20.000 Einwohnern ist idyllisch an der weißen Elster gelegen und hat dank ihrer Geschichte als Residenzstadt im Deutschen Kaiserreich gleich zwei Schlösser, einen weithin bekannten Landschaftspark und viele schicke Altbauten im Stadtzentrum.

Doch für Immobilienbesitzer gleicht die malerische Gegend einem Alptraum. In keinem anderen Gebiet sind die Preise für Einfamilienhäuser in den vergangenen drei Jahren so stark gefallen wie dort. Um erdrutschartige 68 Prozent purzelten die Quadratmeterpreise zwischen 2010 und 2012 in dem Postleitzahlengebiet, zeigt die Preisdatenbank von manager magazin online. "In den 90er Jahren herrschte noch ein Run auf Einfamilienhäuser", sagt der Greizer Makler Jan Popp. "Jetzt nehmen wir viele Objekte gar nicht erst zur Vermarktung an."

Ein großzügig geschnittenes Haus mit rund 240 Quadratmetern Wohnfläche war im Kreis Greiz Ende 2012 bereits für zum Schnäppchenpreis von 68.500 Euro zu haben. Zum Vergleich: Für die gleiche Summe könnte man sich in der Altstadt Münchens nicht einmal eine Besenkammer leisten. Dort beträgt der Quadratmeterpreis über 8000 Euro.

Besonders brenzlig ist die Lage in den Dörfern rings um die Kreisstadt Greiz. "Die Menschen wollen nur eins: in die Städte. In den Dörfern gibt es dagegen drastische Preisabschläge", sagt Makler Popp.

Nur die Stadt zählt

Der Kreis hat ein fundamentales Problem: die Landflucht. Greiz gehört zu den demografisch am stärksten schrumpfenden Gebieten der Bundesrepublik. Laut einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hat ein Drittel der Dörfer in den vergangenen Jahren Einwohnerverluste zwischen 10 und 30 Prozent erlitten.

Das idyllische Greiz steht damit stellvertretend für die Mehrheit der ländlichen Regionen Deutschlands. Im krassen Gegensatz zu den aus allen Nähten platzenden Metropolen kehren immer mehr Menschen dem Häuschen im Grünen den Rücken. Während die Preise in den Großstädten durch die Decke gehen und viele Käufer und Bauherren angesichts der historisch billigen Darlehen um knappe Baugrundstücke und Eigentumswohnungen buhlen, beschleunigt sich der Preisverfall in der Provinz zusehends. Die Vorlieben der Kaufinteressenten sind eindeutig: Laut einer Umfrage von Immobilienscout 24 und Interhyp suchen 88 Prozent ein Objekt in einer Stadt oder zumindest im Speckgürtel.

Der deutsche Immobilienmarkt ist tief gespalten. Die Gründe dafür sind altbekannt, die verheerenden Folgen zeigen sich jedoch erst jetzt. Zum einen das Schrumpfen der Bevölkerung. Seit mehr als 40 Jahren werden zu wenig Babys geboren, um das Bevölkerungsniveau Deutschlands zu halten. Zwar stieg die Zahl der Einwohner durch hohe Zuwanderung zuletzt leicht an. Schätzungen zufolge wird das den Trend aber kaum stoppen. Bis zum Jahr 2050 werden hierzulande mindestens zwölf Millionen Menschen weniger leben als heute, prognostiziert das Statistische Bundesamt.

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