Donnerstag, 26. April 2018

Immobilienprojekte der Zukunft Wohnen in den Wolken

Berlin, Frankfurt und Co.: Das sind die Wohntürme Deutschlands
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Le Quartier Central Teilgebiet C

Immer mehr Menschen ziehen in die Großstädte. Doch dort ist Baugrund knapp. Projektentwickler und Stadtplaner lassen deshalb Hochhäuser ein Comeback feiern. In Berlin soll nun Deutschlands höchster Wohnturm entstehen - entworfen vom kanadisch-amerikanischen Stararchitekten Frank Gehry.

Hamburg - Gedreht und gekantet sollen die 39 Stockwerke in den Berliner Himmel ragen: 150 Meter hoch wird das neue architektonische Ausrufezeichen am Alexanderplatz sein, wenn es 2017 fertiggestellt ist. Die Wettbewerbsjury um Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hat dem Entwurf des in Kanada geborenen und in Kalifornien lebenden Stararchitekten Frank Gehry grünes Licht für Deutschlands höchstes Wohnhochhaus im Herzen der Hauptstadt gegeben.

"Wir wollen ein neues Wahrzeichen schaffen, dass die Berliner Skyline prägen wird", sagt Christoph Reschke, Geschäftsführer des US-Investors Hines, der den Koloss mit 300 Eigentumswohnungen und einem Designhotel mit insgesamt 48.000 Quadratmetern Geschossfläche bis 2017 errichten will.

Wohnhochhäuser sind wieder en vogue in Deutschland. Dabei galten die Türme noch nach der Jahrtausendwende als Bausünden, nachdem in den 70er Jahren errichtete Trabantenstädte wie Osterholz-Tenever bei Bremen und Großsiedlungen wie Mümmelmannsberg in Hamburg und das Ihme-Zentrum in Hannover mit ihren in die Höhe ragenden Plattenbauten zu sozialen Brennpunkten verkommen waren. Jetzt aber feiern die Giganten aus Stahl, Beton und Glas ihr Comeback. Nicht nur in Berlin.

In Frankfurt errichtet die Wohnungsgesellschaft Nassauische Heimstätte über ihre Tochter NH ProjektStadt gerade für 100 Millionen Euro das Praedium: Der 19stöckige Wohnturm im Europaviertel soll nach Fertigstellung im übernächsten Jahr 66 Meter in die Höhe ragen. Frankfurts Planungsdezernent Olaf Cunitz glaubt, dass das Projekt bald Nachahmer finden wird: "Wir erleben den Anfang einer Renaissance des Wohnhochhauses in Frankfurt." In der Mainmetropole, deren Skyline die Wolkenkratzer der Banken prägen, würden sich die Wohntürme nahtlos in das städtebauliche Bild fügen.

Marco Polo als Trendsetter

Begonnen hat der neue Trend in Hamburg mit dem 2009 von der Hochtief Solutions und der DC Residential fertiggestellten Marco Polo Tower. Der 56 Meter hohe Solitär mit den leicht zueinander gedrehten Geschossen gilt in Architektenkreisen als eine der Landmarken der neuen Hafencity.

Etwas kleiner geht es in Düsseldorf zu. Dort ragt seit Herbst vergangenen Jahres das höchste Haus im neuen Quartier le flair mit seinen zehn Geschossen fast 35 Meter in den Himmel und bietet Platz für 42 Wohnungen mit bis zu 166 Quadratmetern Wohnfläche.

In den kommenden Jahren würden zahlreiche weitere Wohntürme in deutschen Großstädten entstehen, prognostiziert Andreas Schulten, Vorstand der Immobilienforschungsgesellschaft BulwienGesa. "Die Wiederkehr des Hochhauses ist die Antwort auf die zunehmende Reurbanisierung." Da immer mehr Menschen aus den ländlichen Regionen und Kleinstädten in die Zentren der Metropolen ziehen, müssten dort mehr Wohnungen entstehen. "Weil Baugrundstücke knapp sind, bleibt Projektentwicklern nur der Weg in die Höhe", sagt Schulten.

Dass die neuen Wohntürme, wie ihre Vorgänger aus den 70er Jahren, im Laufe der Zeit ebenfalls zu sozialen Brennpunkten verkommen werden, glaubt Schulten nicht. "Die neuen Wohnhochhäuser haben eine andere Qualität und sind auf eine andere Klientel zugeschnitten." In den früheren Großsiedlungen mit ihren Hochhauskomplexen wurden im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus errichtet. Zunächst galten die Trabantenstädte als hipp. Die ersten Mieter waren Familien aus der Mittelschicht, die die trotz der Sozialbindung hohen Mieten tragen konnten.

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